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Jeschurun · 1861-11-01 · Heft 2 (November 1861) · p. 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 2 (November 1861)
Article
Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
Date
1861-11-01
Page
80 (sequence 8)
Language
German
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80 Wir gewinnen wir bas Leben gebaute Glauben von Gott und seinen Eigenschaften, seiner Lehre und dem künftigen Leben, als Fundament des Judenthums gemacht. Erkenntniß Gottes und seiner Eigenschaften fordert das Judenthum auch von jedem Menschen, auch der בן נרו ist מצווה על ע״ו וברכה השם; das geläuterte Gott-Bewußtsein macht erst den Menscheu zum Menschen; und hätte ich die reinste, erhabenste Kcnntniß von Gott und seinen Eigenschaften, ich wäre mit allem hem noch nichts weiter als Mensch, hätte damit noch die Schwelle des Judenthums nicht betreten. Zu dieser Kcnntniß bedarfs auch der Thora nicht. Daß diese Erkenntniß von allen Menschen gefordert wird, denen Gott nicht die Thora vom Sinai gereicht; das ist eben der Beweis, daß cs hierzu der Thora nicht bedürfe, und daß die Thora ein Weiteres und Ferneres mit dem Judenthume in den Schooß der Menschheit zu pflanzen gesendet sei. Sich, singt David, hat Gott mit Flammenschrift am Himmel offenbart, und um Gott zu finden, אין אומר ואין דברים bedarfs nicht der offenbarenden Rede und Worte, בלי, ohne sie, predigen die Himmel die Gottes-Majestät vom Sternenzelte dem denkenden Menschen herab. Allein uns, unsere Bestimmung, unsere Ausgabe, das Gesetz für unser ganzes inneres und äußeres Leben, dies fragen wir vergebens Himmel und Erde ab, und die Gestaltung unseres ganzen inner« und äußern Lebens nach den Anforderungen des göttlichen Willens, הורוה und מצות ,ערוה und משפטים ,פקודים und חוקים, das, singt David, ist das charakteristische, beseligende Angebinde, welches die Thora vom Sinai uns zu bringen gesendet war. 1a loi und nicht la foi, Gesetz, und nicht der Glaube ist das Stichwort des Judenthums, Gehorchen, nicht Glauben und Hoffen und Beten, macht den Juden zum Juden. Und nun gar der Glaube an Unsterblichkeit, an Belohnung des Guten in einer künftigen, bessern Welt, das sind Wahrheiten, die das Zudenthum also im Bewußtsein der Menschen gegeben betrachtet, daß seine ältesten Quellen sie nirgend lehren, sondern überall voraussetzen, und seine Weisen sie erst dann als Dogmen zu lehren sich veranlaßt sehen konnten, als man angcfangen hatte sie zu leugnen. Den Glauben an eine jenseitige Seligkeit haben unsere Kinder nicht aus unserer Bibel zu schöpfen, Wohl aber ein weit Höheres: den Glauben an eine schon hieniedige Seligkeit, die Gestaltung des ganzen Hintedtgen Lebens nach den Diktaten des göttlichen Willens, aus,

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