Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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für unsere Wissenschaft? 77 ״entsprechender Weise für ihre Pflichten als Menschen und Bürger ״vorberetten, dagegen ist gewiß nichts einzuwenden; allein mögen sie ״auch wissen was sie zu glauben und zu hoffen haben, mögen sie ״auch die Sprache ihrer Väter und die Uebcrlieferungcn ihres.Glau- ״bens lernen!" .. ■b:־ :j3>b'b Schließlich wird dann noch mit ernstem Tadel das Strafbare der immer mehr einreißenden Sitte gerügt, die Kinder nur in nichtjüdische Anstalten zu schicken, wo sie völlig von nichtjüdischcn, ja unjüdischen Elementen umgeben sind, eine Sitte, die so weit geht, daß viele Eltern sogar ihren Kindern geradezu die Theilnahme an dem jüdisch-religiösen Unterricht verbieten, der in den Lyceen und andern Anstalten ertheilt wird! Außer diesem tnnern Cnltus sei über auch der äußere unerläßlich. Er verhalte sich zu dem inncrn wie das Wort zum Gedanken, und sei nothwendig, weil/r dem Gläubigen selbst viel lebhafter den eigenen Glauben vergegenwärtige, ihm die Dogmen einprägc, sie ihm durch ausdrucksvolle Symbole, durch interessante und beständige Ucbungen ins Gedächtniß rufe. Unter diesen Ucbungen des äußern Cultus stehe das Gebet oben an. Und wenn gleich die heiligen Feste insbesondere zum Gebete, zum andächtigen von keiner weltlichen Unterhaltung entweihten Gebete laden, so sollen doch diese Feste nicht allein das religiöse Gefühl entwickeln und an den Tag legen. Wir seien nicht Juden nur einige Tage des JahreS, wir seien Juden und sollen Juden alle Tage sein. Es genüge daher nicht nur zwei, dreimal zu Gott im Jahre zu beten; täglich müsse man beten; es genüge nicht dieTempel bei seltenen Feierlichkeiten zu besuchen, man müsse sie so oft als möglich besuchen. Das geschehe aber leider nur zu häufig nicht. Am erfreulichsten sei die Betr chtung unter idem dritten Gesichtspunkt, der Menschenliebe. Allein auch hier könnte mehr gcschehen als geschehe und cs stünde auch in diesem Punkte unendlich besser, chenn Jeder auch in dieser Beziehung nur seine Pflicht thäte. Haben wir zuviel gesagt wenn wir diese Zustände einen Herzbrechenden Jammer genannt? Wie wenig, wie erbärmlich wenig muß in einer so großen, großen jüdischen Gemeinde von religiöser, sagen wir geradezu von jüdischem Wissen vorhanden, wie groß muß im Allgemeinen die Ignoranz des Heranwachsenden Geschlechts sein, wenn sich