Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 74 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie gewinnen wir das Leben 74 rhetorischen homiletischen Aufwandes, trotz allen bureaukratischen und Pastoralen Nimbus, trotz aller ״Rechnung tragenden" Cvnvcnienz, trotz Chpral und Predigt und Confirmation, ja trotz der in den TischriMagcn bis zur Ueberfnlle zu erwartenden synagogalen Feeqncnz und trotz des aus dem ganzen Pastoral-Schrciben hervorlenchtcnden guten Willens —verwaist, verwaist mitten, nein, nicht mitten, abseits von einem ganzen auf ganz anderer Strömung dahin wal-- lenden Lebens, von, wenn wir nicht irren, mehr als 20,000 ״Glaubigen", die ihre Lehre nicht brauchen, die ihre Besorgnis; nicht vcrstehen, die über ihre Klagen sich verwundern, die ihr ja Genüge, mehr als Genüge und völlige Bcrichigung gewährt zu haben meinen, wenn sic sich recht zahlreich und recht zärtlich und rechr andächtig und anständig an den hohen Festen bet ihr cingefuuden, und haben sich ihre Herzen recht rühren und ihre Gemüthcr recht bewegen lasscn, und haben sich'in recht gläubigem Sinn den ״Segen" crthetlcn lassen — und stürzen nun um so munterer und leichter wieder in das ganz andere Element des Lebens und Strebenö, bis sie wieder mit Jahreswende einmal ans dem Strome des Lebens ans Ufer treten, um hie consistorial rabbinatliche Kapelle auf dem vereinsamten llfcrsaude — aus Pietät — anfzusuchcn. Cs ist ein Jammer, ein herzbrechender Jammer, der sich in den von diesem Pastoral-Schreibcn besprochenen Zuständen kund thut. Nicht aber um eine Kritik an diesen lokalen, gcuieindlichcn rmd rabbinatliche» Zuständen zu üben, sondern eben weil diese Zustände uns nicht in lokaler Beschränktheit erscheinen, weil wir in ihnen einen Typus von Zuständen erkennen, die sich leider in vielen, vielen Kreiscn wiederholen, einen ThpuS bejammernswerther Zustände, auf welchen bewußt und unbewußt gewisse Bestrebungen und Richtungen unabweisbar hinführen, und weil in dem Maßstabe selbst, den , dieses Pastoral-Schrciben an das Leben seiner Hutbefohlcucn legt, sich Anschauungen vcrrathcn, die — wenigstens so weit unsere Einsicht reicht — dort wie anderwärts selbst nicht geringe Mitnrsachcn eben des Jammers sind, den sie beklagen — darum wagen wir diese Zustände hervorzuhebcn und wagen darüber ein ernstes, offenes Wort. Das Pastoral-Schrciben prüft das religiöse Leben seines Spreugelö nach den drei Gesichtspunkten jenes alten Satzes: על שלשה דברים העולם עומד על התורה ועל העבודה ועל גמילות חסדים. Diese drei Grund-