Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Cheschwan
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 62 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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02 Chcschwan. sittlichen Werth oder Unwerth nur durch die Anwendung, die davon gemacht wird, durch das Ziel, auf welches, und durch das Maß in welchem sie auf dieses Ziel gerichtet wird. Es giebt nicht eine einzige Anlage eines Menschen, die an und für sich schlecht wäre; fawir es sogleich, auch nicht eine einzige, die ohne Weiteres gut ist. Alles hängt von der Verwendung und Nichtnng ab, die sie bckommen. Stolz nnd Demuth, Zorn und Gelassenheit, Eifer und Trägheit, sinnliche Lust und Gleichgültigkeit, jeglicher Reiz und jegliche Begierde und ihr Gegentheil sind gut und schlecht, je nach dem Ziel und Maß, in welchem sie zur Anwendung kommen. Zum Guten hat Gott Alles in unsere Brust gelegt, und Alles ist gut, sobald es von uns beherrscht und mit fester Hand zur Verwirklichung d er Zwecke gebraucht wird, für welche Gott uns dasselbe verliehen. Alles wird schlecht, sobald wir die Zügel darüber verlieren, sobald es uns beherrscht, sobald es ״Leidenschaft" und ״Laster" wird, d. h. sobald wir ihm gegenüber ״leidend" werden und es uns als ״Last" zu Boden drückt, sobald wir ihm gegenüber die freie Energie verlieren, die inro מושל, die über alle geistigen und sinnlichen Kräfte gebietet, sie nur im Dienste Gottes zu heiligen und guten Zwecken zu verwenden. Vernichten lehrt Gottes Gesetz uns keinen Trieb und keine Anlage. Heilig und rein in seinem Dienste und für seinen Dienst Alles zu verwenden, das ist die Aufgabe die cs uns setzt, das die Wege, die es uns lehrt, 'להתהלך לפני ר ולהיות חמים, vor Gott mit unserm ganzen Wesen uns zu führen — Das ist also das Geschäft, welches der jüdische Sprachgedanke dem Erzieher überweist. Als ein mit allen seinen Anlagen und Kräften nach völlig Unentschiedenes — wie sollen wir sagen ״liegt", oder ״steht"? — der zu erziehende Zögling vor dem Erzieher. Der Erzieher hat alle seine Kräfte und Anlagen auf das eine feste Ziel des Gottgefälligen hinzuleiten, auf daß das unentschieden, aber für den einzigen Zweck des Guten seinen Händen übergebene Kind ״gut" werde und er einst sein Werk überschauen und sich sagen könne: והנר, טוב מאור! Sofort springt aber in die Augen, daß das ganze Geheimniß der Erziehung, der אמנה, in der אמת ואמונה liegt, in der Festigkeit und Beharrlichkeit, in der Consequenz des Erziehers im Guten und für das Gute. Soll der schwanke und veränderliche Zögling durch