Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1861)
- Article
- Erinnerungen aus Brüssel [Nachricht]
- Date
- 1861-10-01
- Page
- 49 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Correspondenz. 49 die erloschene Flammenschrift des Glaubens in den Herzenstafeln der Leichtsinnigen und Sünder wieder anzusachen suchen. Himmlischer Berns! wenn'er gehörig aufgefaßt und würdig ausgefüllt wird, fluchbeladene Bestimmlmg, wenn, von Zweifeln vulkanisch unterwühlt, Irrlichter um des Glaubens Grab tanzen. Nur wenige Worte also für heute, auch die Feder soll enthaltsam sein. Ein großer Uebelstand unserer Zeit ist, daß, trotzdem sie ihre Kinder dem Rabbiner zum Religionsunterrichte anvertrauen, die Eltern nicht selten die Amtsthätigkeit oder Unthäticsseit desselben vssentlich im Beisein der Kinder besprechen; häufig wird sogar dessen Privatleben, als stünd es im Widerspruche uiit seinem öffentlichen, heftig angegrissen. Daß das Ansehen des Rabbiners dadurch geschwächt, das Vertrauen der Kinder zu demselben erschüttert wird, unterliegt keiner Frage. Hat sich aber der Verdacht des kindlichen Herzens bemächtigt, glaubt es, der Lehrer trage eine Maske, so sieht es in ihm nur eine Larve s— spectrum, Gespenst^. Wäre die Katechismuskonkurrenz nicht so übergroß; gewönne der religiöse Glaube und ich etwas dabei, so wnrd' ich selbst einen Katechismus vcrfassen und einen neuen Glaubensartikel einführcn. Mein Katechismus würde also beginnen: Lehrer: Wie viele Glaubensartikel haben wir? Schüler: Vierzehn. L.: Wie lautet der erste? Sch.: Ich glaube, daß der Herr Rabbiner glaubt. L.: Finden wir irgendwo eine Andeutung, daß wir den moralischen und religiösen Charakter des Rabbiners nicht bezweifeln sollen! Sch.: Gewiß, wir lese» ״ עשה לך רב והמחלק מן הספק ״ Wähle dir einen Rabbiner, und entsage dem Zweifel sVerdachtss אבוח א ט״ז*). Da ich von Katechismen spreche, erlauben Sie mir, hier einen echt französischen Charakterzug von einer Brüsseler Dame aufznzeich-- neu. Ich ward zu Tisch gebeten. Die Tafel wurde aufgehoben, ohne das übliche Tischgebet zu sagen. Ich war beherzt genug zu fragen, *) Ob ספק ספיקא erlaubt ist, getraue ich mir nicht, zu entscheiden, ich wünschte darüber die Ansicht eines bedeutenden Rabbiners.