Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1861)
- Article
- Der Leviathan
- Date
- 1861-10-01
- Page
- 20 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Der Leviathan. nichtung durch Gottes Gericht verkündet ist: so spricht sich der Sinn dieser Erläuterung wohl von selbst aus. ״Alles," so lauten ja רב^ Worte, ״was Gott in seiner Welt geschaffen hat, hat er männlich und weiblich geschaffen —״ er hat die Aufgabe eines jeden Organismus auf zwei geschlechtlich verschiedene Gestaltungen ertheilt — ״auch לויתן נחש בריח und לויתן נחש עקלתון, hat er männlich und w ei blich geschaffen" — auch der menschengesellfchaftlicheOrganismus steht in zwiefacher Erscheinung, männlich und weiblich da: männlich, als נחש בריח, als die auf ihr Ziel geradezu losgehende Macht der Gewalt; weiblich, als נחש עקלתון, als in Windungen unb Krümmungen ihr Ziel anstrebende Macht der Politik. Daß die aus thr Ziel geradeaus zutappende Gewalt, als Attribut der Stärke, dem Männlichen, und die in Windungen ihr Ziel erschleichende List, als Attribut der Schwäche, dem Weiblichen entspricht, bedarf keines weitern Beweises — ״w ür- ״den sie sich mit einander vermählen, würden sie die ״ganze Welt zerstören" — würde Gewalt und Politik, Macht und Klugheit stch dauernd mit einander verbinden, sie würden eine ewige, unbezwingbare Universalherrschaft gründen, unter deren Joch alles Leben, alle freie Entwickelung und Selbstständigkeit ein Ende hätte. — ״Was that der Heilige, gelobt sei er? Er ״entmannte das Männliche und tödtete das Weib- ״liche und conservirte dies für die Gerechten der ״Zukunft — " Gott schützt die Welt vor dem Entstehen Alles unterjochender, dauernder Weltmonarchien dadurch, daß er die Ge- Walt entmannte, somit ihr Trieb und Fähigkeit nahm stch mit der ihr zu ihrer Ergänzung fehlenden Klugheit zu gatten; und daß er die Klugheit überhaupt noch nie zur Herrschaft hat kommen lassen. In der That beruht das ganze Geheimniß des Htstortschen Drama's, das wir Weltgeschichte nennen, auf der faktischen Wahrheit, daß jede Macht, zu höchster Potenz als Gewalt erwachsen, blind wird und /eben aus Bewußtsein der Stärke Klugheit als ein Attribut der Schwäche verschmäht, eben damit aber sich des einzigen Äehikels beraubt, ihre Existenz zu verewigen. Gewalt verschmäht es sich mit Geist zu paaren, und geht daher entmannt, ohne Znkuust, zu Grunde. In der That hat noch kein Welteroberer eine dauernde Universal- Monarchie geschaffen, die auch nur ihren Gründer überlebte. Und dieser Thatsache steht die andere als nicht minder historische Wahr-