Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1861)
- Article
- Tischri
- Date
- 1861-10-01
- Page
- 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der alte Tischri und die moderne ,Religion". 9 Fischernetz—weil auch sie auf die ״Gefühle" des Volks Jagd machtcn und im Trüben der Gefühle fischten' — von seinen Priestern aber fordert Gott: ״Wissenschaft habe die Lippe des Pricsters zu bewahren und Lehre sucht man aus seinem Munde, denn ein Bote des ד׳ צבאי׳ ist er!" — כי שפתי כהן ישמרו דעת ותורה יבקשו מפיהו כי מלאך ד׳ צבאו׳ הוא denn: לא בסתר דברתי במקום ארץ חשך לא אמרתי לורע יעקב תהו בקשוני אני ד׳ דבר צדק מגיד מישרים nicht im mystischem Dunkel hat unser Gott gesprochen, nicht in düsterer Erdnacht, hat nicht zu Jakobs Söhnen gesprochen, sucht mich im Oeden, ד׳ bin ich, hat er gesprochen, rede von Recht, verkünde Gerades und Klares — Warum aber dieses Alles im Tischri? Weil eben dieser Tischri- Monat der Erndte-Monat unserer modernen Kumrim-Wirthschaft zu sein pflegt, weil in keinem Monat wie diesem, der größte Unfug mit ״Thränen" und ״Rührung", mit ״andächtigen Gefühlen" und ״gläubigen Regungen" getrieben wird, weil man ein paar Tage׳ dieses Monats zu großen Schauer- und Buß-Paraden des allmächtigen Gottes mit obligaten Herz-Erschütterungen, Thränen-Predigten, Andacht-Rührungen, Buß- und Bet-Gefühlen, Seufzer-Chorälen gemacht hat, sich beredet mit diesen Gefühls-Operationen und Empfindungs-Mauövern, Gott weiß wie, den ״Weinberg des Herrn" bestellt, der ״Sache des Herrn" gedient, ״Religion" — auf ein ganzes Jahr hinaus hinreichend — gemacht zu haben; — und es doch keinen andern Monat wie eben den Tischri gicbt, der mit all seinen großen, Leben bauenden Institutionen gerade der lauteste Protest gegen all und jede Täuschung wäre, die auch die jüdische Religion mit einem Paar, innerhalb der Gefühlssphäre zu weckenden und innerhalb der Gefühlssphäre verrinnenden Andachtsregungen und sögenannten Erhebungen zu dem Unendlichen und Ewigen abzufüttern geneigt sein mochte. - Ist nicht תרועה eben diese innere Erschütterung, die innere Rührung, auf die es den ״Kumrim", den Gefühlsheroen, vor Allem ankommt? Und wird nicht diese תרועה eben nur durch 1ו0&=שופר« hervorgerufen, die, wie instrumentale Töne überhaupt, nur Empfindüngen und Stimmungen in höchst allgemeiner Unbestimmtheit, nie aber klare und deutliche, zum Verstände redende Begriffe zu wecken im Stande sind, und sollten sie da nicht Recht haben unsere Thrä-