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Jeschurun · 1861-10-01 · Heft 1 (Oktober 1861) · p. 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 1 (Oktober 1861)
Article
Tischri
Date
1861-10-01
Page
3 (sequence 3)
Language
German
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Der alte Ttschri und die moderne ״Religion". 3 I seliges Embryoncndascin durchzuleben, die daher eine sichere Zufluchtsstatte für Alles darbieten zu können schien, das vor den Sonnen-- Pfeilen des blitzenden Verstandes zn flüchten genöthigt wurde, ja die ein Feld triumphirender Auferstehung Allem zu eröffnen bereit stand, was der siegestrunkene Verstand bereits als lächerliche Leiche zu Boden geworfen zu haben vermeinte. Diese Region war keine andere, ■״ als die Region des Gemüthes mit seinen dunkeln Gefühlen und Ahnnugen. In diese aller Demonstration überhobene, weil unfähige, und nur an das subjektive Jnnewerden und Jnnegewordensetn eines jeden Einzelnen appellirende Region des menschlichen Geistes griff man hinein, und wies unter den mannichfachen Erscheinungen des Gefühls und der Ahnung insbesondere auf ein Abhüngigkeits- Gefühl hin, das allen Menschen angeboren innewohnen und die Wiege und'der unzerstörbare Quell des Gottbewußtseins und der Religion der Menschheit sein solle. Fortan ward ״Religion" imb ״Glaube" zum indemonstrablen Mysterium des Gefühls, das auf die Thatsache innerer Ersahrung sich zu berufen vermochte, wenn das Raisonnement des auf die vermeintlichen empirischen Ergebnisse einer Erforschung der Außenwelt pochenden Verstandes das Nichtdasein alles ״Göttlichen" und das Nichtberechtigtseil! alles ״Religiösen" behauptete. Diese Religion des Gefühls und des ״gläubigen Ahnens" mochte immerhin ihre Berechtigung für alle ״Religionen" gewinnen, die sich überhaupt als Erzeugniß menschlicher Geistesentwitkeluug von innenheraus geben, oder sich als solche doch in Mitte aller andern Schöpfungen des Menschengcistes darstellen ließen, für jede Religion, die überhaupt mehr ein ״Innerliches" zu sein beansprucht, sich bescheidet keinen Einfluß auf Gestaltung der conkreten Welt zu üben, ja diese Welt bald verachtet und flieht und sich ihr mit dem stolzen Worte, ״ihr Reich fei nicht von dieser Welt" überhebt, oder in der Anschauung der Welt als Gottesthat das ahnende Gottgefnhl zu gewinnen und in diesem Gefühl des eigenen Anfgehens in den Unendlichen inne zu werden, damit aber jene Anbetung zu üben und jene Seligkeit zu genießen strebt, die die ״Religionen" ihren ״gläubtgen" Jüngern verheißen und gebieten. Freilich hat man auch für diese Kreise übersehen, daß man mit dieser gläubigen Gefühlsreligion dem Glauben an Gott unvermerkt

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