Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 12 (September 1861)
- Article
- Deutschland : Frankfurt [Nachricht]
- Date
- 1861-09-01
- Page
- 644 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932891-2932904--06821-2946193- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ö44 mit den czechischen Bestrebungen zweifelte von vorn herein keine Seele; Die Minister hielten es für nvthig, gleich nach dem Eintreffen der ersten Nachrichten ihren Entschluß kund zu geben, jede Ausschreitung mit Energie niederzuhalten und ganz besonders gegen den religiösen Anstrich der Bewegung mit aller Kraft aufzutreten. Wir erinnern hier nur daran, wie die kleinen Herren aus Prag, gleich den großen, eben nichts gelernt und nichts vergessen haben. Dreizehn verhängntßreiche Jahre, die manches Dunkel erhellt, manchen Wahn gescheucht und manche Brust geläutert, über sie sind sie spurlos dahtngezogen. Es sind noch dieselben, die vor 13 Jahren den Juden hvhnlachend entgegneten: ״Wir erkennen ein Princip nur an, so lange es unserm Vortheil dient." Leider konnte der August noch einige andere gegen Juden verübte Unbill arüs Licht der Oeffentlichkeit bringen. Man weiß in der That kaum ob man seinen Augen trauen soll, wenn man von einer stehenden Norm liest, einer armen hülsiosen kranken Mutter ihr neugeborenes Kind zu rauben, besondere Veranstaltungen zu treffen ein Wiedererkenncn unmöglich zu mache», und zum würdigen Schluffe, die unglückliche Mutter zu zwingen ei» fremdes Kind statt des ihrigen zu säugen! Und das Verbrechen der Armen besteht lediglich darin-eine Jüdin zu sein. Das Aergste ist, daß dieses den heiligsten Gefühlen in schnöder, wahrhaft raffinirter Weise hohnbietende Berfahren seit längerer Zeit besteht, auch der Natur der Sache nach einer Anzahl unbetheiligter Personen bekannt sein mußte, und Niemand fühlte sich ״berufen" de» Gräuel an die Oeffentlichkeit zu brigen. Solche Schändlichkeiten würden mit dem Bekanntwerden augenbltcklich ihre Abhülse finden, fänden sich nur zehn wackere, an der Börse gewichtige Männer, gleichviel welcher Confesston, die an geeigneter Stelle ihr Veto einlegen. Leider fehlt auch in den in dieser Beziehung maßgebenden jüdischen Kreisen, deren energischer Protest aus Gründen nicht unbeachtet bleiben würde, nur zu sehr an jenem Gefühl der Solidarität der jüdischen Interessen, das ein römischer Dichter allgemein menschlich so schön mit den Worten zeich- «etc: Homo sam, nil humani a me alienum puto. (Ich bin ein Mensch, deßhalb ist nichts einen Mens ch en Betreffendes mir fremd.) Am Charakteristischsten sind jedoch die Nachrichten aus dem Lande der für das Nationalttätsprincip und die Freiheit begeisterten M ägyären, charakteristischer noch als Czechenuuitriebe und Kindesraub.- Dem Judenhaß, der in tausend kleinlichen Aeußerungen sich Luft macht, seht ein jüngster Comitäbeschluß des Ungarischen Landtags^ der die Juden von der Advokatur ausschließt,, und sichtlich die Ausrechthaltung aller bisherigen Beschränkungen in Aussicht nimmt, die Krone auf. Auch für den nichtjüdischen Beobachter kann cs kaum eine widerwärtigere Erscheinung geben, als diese edlen, für Reckst