Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 12 (September 1861)
- Article
- Aus einem Briefwechsel über die Psalmen
- Date
- 1861-09-01
- Page
- 630 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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630 AuS einem Briefwechsel blickt werde, dessen unprovocirte Feindschaft und Verfolgung David jahrelang wie ein gehetztes Wild in Hohlen, in Wüsten, ins Exil zu den Fremden trieb und die ganze königliche und jüdische Nationalmacht aufgeboten hielt um ihn endlich zu fangen und zu vernichten — das spricht sich so von selbst aus, daß dies ja auch fast allgemein so verstanden wird. Gab es ja keine andern ״Benjamint" der also David ״verfolgen, erreichen, sein Leben in den Boden treten, und seine Ehre in den Staub betten wollte", als Saul. Die Frage bleibt nur, wie haben wir die Bezeichnung כוש ben jamint zu verstehen? Vielleicht liegt das Folgende nicht fern von der Wahrheit. Das היהפוך כושי עורו (Jerem. 13, 23) bestätigt, daß י כוש ben Neger bezeichnet. Das: הלא ככני כושיים אחם לי (Amos 9, 7). ״Seid denn nicht mindestens wie die Kinder der Kuschiim ihr mein V' mit welchem Amos Israels Söhnen zu bedenken geben sollte, daß wenn auch Alles wegfiele, was Israel in so besonderer Weise mit Gott verknüpft, daß, wenn sie auch die letzten Kinder des letzten Negerstammes wären, sie doch nicht aufhören würden Gottes zu sein, diese Zusammenstellung lehrt, daß unter כוש die unterste Stufe der Völker- und Menschen-Erscheinung verstanden wird. Für jenes Ziel der still fortschreitenden Erziehung der Menschheit hat Gott Israel in die Reihe der Völker eingeführt, das durch seine Geschichte Gott und durch sein Leben die Bestimmung der Menschen zu ewig klarerer Erkenntniß bringen und somit das vorzüglichste Werkzeug in Gottes Händen für jenes Ziel aller Zeiten sein sollte. Wenn nun aber dieses Werkzeug selber morsch sein wird, wenn nun aber in Israel selbst und in seinen edelsten Schichten Erscheinungen hervortreten, die nur in der tiefsten Schichte der unveredelten Völkerfamitten anzutreffen sein sollten, wenn — ״aus dem benjaminischen Königsstamm Aethiopien hervorgtnge" — und so das vornehmlichste Werkzeug der still zu vollziehenden Menschheiterziehung als untauglich und selbst noch erst der ernsten Erziehung bedürftig erscheint — dann liegt dem, dem eben die Verwerflichkeit des erwählten Werkzeugs in schmerzlichster Mißhandlung fühlbar wird, und der von Gott eben zum Herold jenes Völkermorgens geweiht worden, die ״Verirrung" entschuldbar nahe, den Moment gekommen zu wähnen, wo Gott den stillen Gang der Erziehung unterbrechen, und zu Hof-