Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 12 (September 1861)
- Article
- Aus einem Briefwechsel über die Psalmen
- Date
- 1861-09-01
- Page
- 628 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus einem Briefwechsel — Preis ihm, der mich zum ewigen Siege stärkt durch meine Lieder — Habakuks ״Jrrthümer" bestanden daher in irriger Auffassung der göttlichen Vorsehung und Waltung, die er von seinem beschränkten, menschlichen Standpunkte aus verstehen und beurtheilen zu wollen sich erkühnt hatte. Lesen wir auch nur flüchtig den uns vorliegenden 7. Psalm und fragen uns, ob der Inhalt desselben eine Verwandtschaft mit Habakuks ״Schtgason" zeigt, so stellt sich uns sofort die verwandte Thatsache dar, daß er ebenfalls die waltende Gottesgerechttgkeit zum Gegenstände hat, ja der 7. und 8. Vers enthält nichts Geringeres als den an Gott gerichteten Aufruf, doch das verheißene, allgemeine Vvlkergertcht anbrechen und damit das Gottesreich, die allgemeinste Gotteshnldigung auf Erden, dieses Ziel aller Gottesführungen sofort beginnen ju lassen: ״Auf, Gott, in deinem Zorne, erhebe dich wider das das Wüthen meiner Feinde, Und wecke für mich das Gericht, das du bestimmt! Lasse die Gemeinde der Völker sich um dich schaaren, Und über ihr kehre zur Höhe wieder!" Dieser 7. urd 8. Vers bildet aber den Kern- und Wendepunkt des Psalms. Während hier das offenbarste, allgemeinste Hervortreten Gottes in seinem Weltgerichte gefordert wird, lenkt der 9. Vers sofort mit dem Gedanken ein: ״Gott wird einst die Völker richten; Vertritt nur auch mein Recht, 0 Gott, Wie es meine Redlichkeit und meine Unschuld über mich ergiebt." und schildert eben der ganze weitere Verlauf des Kap. wie auch, wenn Gottes Richteramt nicht in unmittelbarem Einschreiten offenbar wird, er auch in seiner unsichtbaren Waltung ein gerechter Richter ist und das Böse sich selbst den Untergang bereiten läßt. Der ganze Inhalt-dieses Psalms spricht sich daher als eine un zeitige Erwartung des von Gott verkündeten allgemeinen Weltgerichts Md als eine bewußtvvlle Rückkehr' zu der Besinnung aus, daß auch in dem stillen, unsichtbaren Walten Gottes -dem gottbewußten, denkenden Geiste der Finger der göttlichen Gerechtigkeit sich zeigt und auch -in seiner unsichtbaren Höhe Gott sich als Richter des Bösen und Net-