Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 11 (August 1861)
- Article
- Aus Hannover
- Date
- 1861-08-01
- Page
- 587 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Adresse der Landrabbiner. 587 Wie Ew. Majestät durch den gnädigen Schuh und die liebevolle Unterstützung des jüdischen Schulwesens den Grundstein zur Glückseligkeit der künftigen Geschlechter mit frommem Sinn und Königlicher Gnade sicher gelegt haben, also haben Ew. Majestät durch die gnädige landesherrliche Bestätigung der allgemeinen Synagogen- Ordnung am letzten Tage des abgelaufenen Jahres das heilige Siegel aus ein Werk gedrückt, das, im frommen Geiste uud reiner Absicht entworfen, unter Gottes gnädigem Beistände viel dazu beitragen wird, edle Würde in den Gotteshäusern und ungeheuchelte Frvmmigkeit unter den jüdischen Unterthanen Ew. Majestät für und für zu fördern und zu verbreiten. Wenn aber sämmtlichc Gemeinde ob dieser väterlichen Huld von innigster Liebe und Dankbarkeit erfüllt sind, so ist dies doch nur ein Schatten derjenigen Gefühle, welche die Gemüther der treu unterthänigsten Landrabbtner des Königsreichs erfüllen und beleben! Diesen ist das beneidenswerthe Loos zu Thetl geworden, in ihrem Berufe jene unversiegliche Gnade tagtäglich zu erkennen, und die ihnen anvertrauten Gemeinden mit dem Geiste der Liebe der Treue und der Dankbarkeit zu erfüllen, ist ihre höchste Freude, ihr schonstes Loos! Solche Gesinnungen hegen die treuunterthänigsten Landrabbiner tagtäglich und fühlen sich hochbeglückt, dieselben an den Stufen des erhabenen Thrones Ew. Majestät in Demuth und Ehrfurt niederlegen zu dürfen u. s. w." Wahrlich, die Versuchung liegt nahe genug, diese ganze Adresse für die bitterste und schärfste Ironie zu halten und bezeugten nicht die Unterschriften der Herren Landrabbtner, daß sie dem Könige wirklich überreicht sei, noch jetzt wurden wir diesen Gedanken nicht von uns weisen können. Jetzt aber wo wir gesehen, wie die Adresse Ernst, bitterer Ernst ist, wie wirklich zum ersten Male vielleicht in unserer Geschichte die Rabbincn eines Landes nicht nur ihre Glaubensgenossen, sondern alle Bewohner des Landes übertroffen an der elendesten, knechtischsten, gemeinsten Schmeichelei; da können wir nur aus dies Faktum verweisen, als auf eine der merkwürdigsten, wenngleich betrübendsten Erscheinungen der jüdischen Gegenwart.