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Jeschurun · 1861-07-01 · Heft 10 (Juli 1861) · p. 541

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 10 (Juli 1861)
Article
Die Emancipation der Juden
Date
1861-07-01
Page
541 (sequence 3)
Language
German
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541 sten Verhältnissen Wollte man aus diesem Grunde die staatsbürgerliche Berechtigung der Israeliten leugnen, so mußte man auch sagen: ״Weil unter Karl I. und Cromwell in England von den Protestanten gegen die irländcr Katholiken, und von Ludwig XIV: in Frankreich gegen die Protestanten, im Namen Gottes die scheußlichsten Grausamkeiten verübt worden sind, darum ist das Christenthum eine Religion, deren Bekenner des Staatsbürgerrcchts unwerth sind." Ja, man könnte das mit viel mehr Recht sagen; denn was wir Christen, hingerissen vom Fanatismus der Unduldsamkeit, Entsetzliches und Gräuliches verübt haben, übersteigt bis in das Grenzenlose Alles, was die ausschweifendste Phantasie den Israeliten verwerfen, aber nicht zu beweisen vermag. Wir kämpfen überall mit den Waffen der Gewalt nicht minder als mit jenen Geistes für die Begründung und Ausbreitung christlicher Cultur, und gleichsam zur Verhöhnung unseres eigenen Glaubens, behandeln wir jene als Parias, in deren Schoße die Keime und Grundlagen der ganzen modernen Kultur gehegt und von denen sie auf unsere Vorfahren vor beinahe zweitausend Jahren überbracht worden sind. Die Ironie könnte nicht schärfer sein. ״Es soll nur Eine Herde, Ein Hirt auf dieser Erde werden", sagt der Gekreuzigte, wir aber stoßen mit Verachtung Jene zurück, welche die ersten, heiligsten und berechtigtesten Ansprüche an uns haben. Unbeschreiblich lächerlich ist vollends der Gedanke, daß im Falle der Emancipation die Israeliten die Christen unterdrücken könnten, oder das Christenthum dem Einflüsse des mosaischen Glaubens preisgegeben werden würde; und doch hört man auch ihn oft genug selbst von gebildeten Menschen aussprechen. Ich halte die Religion des Kreuzes für viel zu erhaben und hoch, als daß irgend Etwas auf Erden sie beeinträchtigen konnte: und der wahnwitzige Gedanke, die Christen zu beherrschen oder zu unterdrücken, mag wohl noch nie in dem Gehirne eines Israeliten aufgedämmert sein. Eine Handvoll Menschen gegenüber von Millionen, und Herrschergelüstc! Beim ersten Versuche müßten sie zermalmt werden. Wenn aber ein solcher Versuch gemacht, auch gelänge, nun so hätten die Unterdrückten auch ihr Schicksal reichlich verdient und wären keines besseren Looses würdig. Ich habe viele Israeliten kennen gelernt, Männer wie Frauen, und manche der liebsten Erinnerungen meines Lebens k»üpfen sich an diese; ich weiß also aus eigener Erfahrung, daß sic uns Christen weder an Herz, Geist, noch Gemüth nachstehen: die Verschrobenheiten aber der niederen Klassen dieses Volkes werden, sobald die Kreise ihrer Thätigkeit erweitert werden, theils von selbst verschwinden, theils müssen sie jener Einwirkung erliegen, welche das Beispiel und der Einfluß der gebildeten Stände auf die gesellschaftlich unter ihnen Stehenden ausüben. Daß die Israeliten

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