Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1861)
- Article
- Die Emancipation der Juden
- Date
- 1861-07-01
- Page
- 540 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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540 ner Größe aber vegetiren als Auswürflinge unter uns, ihr Name ist der Rechtlosigkeit schmählicher Titel; und doch ist dieser Stamm heute noch mit seltenen Fähigkeiten begabt, hat selbst in der Entwürhtgnnq'Früchte getragen, welche jedes Land mit Stolz als die Produkte seiner besten Söhne anerkennen darf. Wohl ist es wahr, daß die Israeliten mit eiserner Zähigkeit an ihre Nationalität, an ihre Sitten sich klammern; doch wir Ungarn, die wir selbst diese Gabe in so hohem Grade besitzen, dürfen die gleiche Eigenschaft an Anderen nicht als'Fehler erkennen. Und was hätte diesem armen Volke anderes übrig bleiben können, als Juden zu sein in des Wortes vollster Bedeutung, da sie nichts anderes werden durften? Von dem Augenblicke an aber, wo sie als Staatsbürger des Landes anerkannt sind, werden sie auch aufhören eine gesonderte Kaste zu hören, deren Interessen von denen der Allgemetnheit abwetchen; sie werden sich in Ungarn verwandeln; das Land aber kann nur gewinnen, wenn eine thätige, intelligente und reiche Volkszahl Antheil nimmt am Wohl und Wehe des Staates, nicht aus den gemeinen Beweggründen der Furcht oder des materiellen Gewinnes; wohl aber geleitet von den höheren Gefühlen der Vaterlandsliebe, gefesselt von den Banden, welche den Staatsbürger an den Staat knüpfen, und an die Scholle auf der er wohnt. Es gehört unter die wunderbarsten und unbegreiflichsten Dinge, wenn man die Emancipation der Juden vom Standpunkte des Christenthums angreift; denn abgesehen davon, daß die Lehre Christi die Religion allgemeiner Menschenliebe, allgemeiner Duldung ist, ist auch noch die jüdische Religion die Grundlage unseres Glaubens, sind die zehn Gebote Gottes , gleichmäßig in der mosaischen wie in der christlichen Lehre das Fundament, auf welchem die ganze Moral aufgebaut wurde. Wie können wir also die Berechtigung eines Bekenntnisses ableugnen, ohne welche das Christenth!lm gar nicht existiren würde? Unter Bela IV. wurde eine wilde, grausame Horde von Heiden in's Land ausgenommen, mit Bürgerrechten und Privtlegicu ausgestattet, die Kumanier, und es sagt kein Mensch, daß dies den Geboten unseres Glaubens zuwider gewesen wäre; wie und mit welcher Stirne kann man also im Jahre 1861 behaupten: eine Religion, deren oberster Grundsatz lautet: ״Du sollst Gott über Alles, und deineu Nächsten wie dich selbst lieben" eine solche Religion sei des Bürgerrechtes unwürd'g? Es ist nicht zu leugnen, daß durch die Wirkung von Zeit, Unterdrückung und Verachtung aus der Lehre Mosis sich Auswüchse gebildet, verkehrte Ansichten entwickelt und Mißbräuche in dieselbe eingeschlichen haben; doch das beweist gar nichts, denn es ist dies das Loos aller Einrichtungen auf Erden, selbst unter den günstigs