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Jeschurun · 1861-07-01 · Heft 10 (Juli 1861) · p. 542

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 10 (Juli 1861)
Article
Die Emancipation der Juden
Date
1861-07-01
Page
542 (sequence 4)
Language
German
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542 so sind, wie wir sie jetzt sehen, kann ihnen nicht als Vorwurf an.- gerechnet werden; es liegt vielmehr darin ein Beweis des unver wustlichen Kernes, der in diesem Volke lebt. Nehmt zwei Millionen Menschen, ans welch immer einer Nation, streut sie ans unter alle Klimate, alle Stämme der Erde, laßt sie mißhandelt, gedrückt, derfolgt, der einfachsten Rechte beraubt,' durch audeethalb tausend Jahre dahin schmachten,' und dann seht, was aus ihnen geworden; seht, ob sie Männer aufweisen werden wie Moses Ben Maymon, wie der große Rabbi Chnan, wie all die Aerzte, Philosophen und Künstler, die. unter ihnen geglänzt und noch glänzen. Daß die Eigenschaften, welche man den Inden vorwirft, nur das Ergebmß ihrer gedrückten Lage sind, beweist nebst Anderem unwiderlegbar eine geschichtliche Thatsache. In den Hochebenen Abyssiniens besteht seit undenklichen Zeiten ein unabhängiges jüdisches Königreich, unter einem ifraelitischeu Könige, — wahrscheinlich R!?ste der verloren gegangenen zehn Stämme, — und dort, umgeben von wilden kriegerischen Völkern, zeichnen sie sich aus durch - Tapferkeit, Redlichkeit und Fleiß! Wir erfüllen daher nur eine heilige Pflicht gegen die Menschheit und gegen uns, wenn wir den Israeliten die Möglichkeit bieten, die Kräfte, welche -ihnen der Schöpfer verliehen, zu erhalten und zu vervollkommnen. Sobald der gegenwärtige Landtag au seine ge setzgebende Funktion geht, muß er dieser Pflicht Rechnung tragen, und die Juden vollständig emancipiren. Damit aber-dieser Akt auch alle Früchte trage, welche man davon erwarten kann; damit die Zsraeltten sich auch identisch mit der Nation betrachten, muß im Gesetze ausdrücklich die Ehe zwischen Juden und Christen gestattet werden.*) Ich will kein Mäkeln mit der Zeit, ich will keine klingenden Worte sprechen, denen nicht gleich die That folgen soll; ich spreche blos weine innerste Ueberzcirgung ans, wenn ich sage, daß sie, anfgenvmmen in die staatsbürgerliche Gemeinschaft, auch würdige, treue Söhne des Vaterlandes sein werden. Kolomann Graf Majlüth. *) Anm. d. Red. Diese der! Grafen Majlüth auf soincm Sta-u-puuklo ehrende Forderung postulirt eine Couccssioa, die der Jude nicht bcuntz-n könnte ohne aufzuhören Jude zu sein, die oder auch wahrlich nicht nothwendlg ist damit der politisch emancipirte Jude auch mit Geist und׳ Herz in׳ das volle Smatslcbm der Völker eintrete, die ihm die nationale Ebenbürtigkeit zuerkemmi. Eben wenn der Jude ganz-Indo bleibt und in den freier geöffneten Bahnen sein ganzes ungeschmälertes Iudenthum entfaltet, wlrd er eben mit diesem Judenthum oaö stgensreichste Angebinde für die nationale Hellcsenlwickelurig aller Völker bringen. Frankfurt a. M. im Juni 1861. Das palästinensische Wohlthätigketts-Comitä zu Amsterdam zeigt uns in einem Rundschreiben den schmerzlichen Verlust an, den die dortige Gemeinde und ihre

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