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Jeschurun · 1861-06-01 · Heft 9 (Juni 1861) · p. 500

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 9 (Juni 1861)
Article
Aus Hannover
Date
1861-06-01
Page
500 (sequence 9)
Language
German
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500 Aus Hannover. bar fesseln und seine Aufmerksamkeit dermaßen in Anspruch nehmen, daß ihn selbst nur ein kurzes Abgehen von ihnen unerträglich, ja unmöglich wird! Und wenn nun gar eine so hohe Ausgabe angestrebt, ein so hohes Ziel verfolgt wird, wie es sich unsere Synagogenordnung gesteckt, die Vereinigung des Praktischen mit dem Idealen, die Versöhnung der Religion mit dem Leben, wer sollte da nicht gespannt sein, wie sie ihr Ziet erreichen wird? Und, man muß gestehen, meisterlich haben unsere Rabbtnen verstanden ihre Aufgabe zu lösen. Es hatte sich nämlich seit einiger Zeit in der Synagoge ein Uebelstand geltend gemacht, der leider zu fest im Judenthum begründet lag, als daß seine Ausrottung so leicht möglich erschienen wäre. Während nämlich säst auf allen Gebieten menschlichen Lebens es nicht innerer Werth, nicht innere Tüchtigkeit ist, die über Ansehen und Ehre eines Menschen entscheiden, während überall der Geldbeutel eine höchst bedeutende Nolle spielt und gar oft in Betreff der gesellschaftlichen Stellung den Ausschlag giebt, war in der Synagoge noch immer die alte Idee herrschend geblieben, nach der jeder Israelit vor Gott gleich ist, gleichen Theil hat am von Gott gegebenen Prtesterberufe Israels, wie viel äußere Glücksgüter ihm auch der Schöpfer verliehen haben mag, nach der der Arme mit eben so viel Recht, wie der Reiche hintreten kann zur Thora und dem Herrn danken, der sie und in ihr ewiges Leben seinem Volke geschenkt. — Aber, diese Ansicht ist veraltet; wie kann der Bankier, der sein Vermögen nach Hunderttausenden zählt, gleichzeitig mit dem Tagelöhner zur Thora ausgehen? Wie . können sich zwei Elemente, die im Leben in ewigem Kampfe mit einander liegen, Reichthum und Armuth, in der Synagoge friedlich begegnen? — Darum galt es von Seiten der Rabbiner eine vollkommene Trennung beider Elemente auch in der Synagoge herbeizusühren und darnm mußte der Paria, der nicht seine Beiträge zur Gemeinde bezahlen kann, streng von dem ״stimmberechtigten" i. e. beitragenden Mitgliede geschieden werden; darum dürfen am Neujahrstage und am Versvhnungsfeste, um des Himmelswiüen keine ״nicht beitragenden" Plebejer dem Gotte Israels als Geber der Thora ihre Huldigung darbringen; darum darf Chatan-Thora und Chatan-Bereschith nur ״stimmberechtigten" Mitgliedern zufallen (§ 44), darum darf nach der Vollzugsordnung für die Synagogengemeinde Hannover nur ein ״bet-

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