Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Herr Dr. Frankel
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 444 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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442 Herrn Vr. Frankels Erklärung. Einlaßzettel in der Westentasche trägt, das ״Wissenschaftliche" aber, aus welchem sich der eigentliche Mensch im Menschen, aus welchem sich das Leben seines Geistes, der Baum seiner Erkenntniß mit all seinen Aesten und Blüthen und Früchten gestaltet, auf einen ganz andern Boden pflanzt und aus einem ganz andern Born nährt und tränkt. Das jüdische ״Dogma" lehrt keine logisch unconstruirbaren Mysterien/ die vor dem Verstände, oder vor denen der Verstand schweigen müßte, und mit welchen die Vernunft nichts anzufangen hätte. Was der jüdische ״Glaube" als Basis des Judenthums giebt, sind Thatsachen, auf wacher, Heller Erfahrung einer Nation beruhende historische Thatsachen, die nicht für das ״Glauben", sondern für den frischesten, lebendigsten Aufbau der Erkenntniß und der That hinausgegeben sind. Auf Gründend ander Hand dieser Thatsachen die Welt und die Menschheit und 'Israel begreifen und diesen Begriff Israels verwirklichen — das Eine ist jüdische Wissenschaft, das Andere jüdisches Leben. Aber selbst einmal eingehend in diese Unwahrheit einer nimwer berechtigten Klüftung entgegengesetzter Regionen der Erkenntniß in dem einheitlichen Menschengeiste — hat denn Herr Frankel um seine Ausdrucksweise zu gebrauchen — nur geschwiegen von der ״dogmatischen" Wahrheit? Wir haben es schon den Salbadereien seines Freunds Landau gegenüber bewiesen, es schweigt nicht nur die Hodegetik von der göttlichen Offenbarung der mündlichen Lehre und von der göttlichen Offenbarung der Jnterpretations- und Forschungs-Midoth, sondern sie lehrt das entschiedene Gegentheil und hat, so wie die anderen Schriften des Verf., das entschiedene Ge^ gentheil zum Grundgedanken und Ausgangspunkt. Maimonides in seiner Einleitung zur Mischna und im Sefer Hammizwoth, so wie Nachmanides in seinen Kritiken zum Sefer Hammizwoth haben auch keine ״Dogmatik"; schreiben wollen, ihre Arbeiten gehören vielmehr der ,/Wissenschaft" in eminentem Sinne an, und doch schweigen sie nicht nur nicht, verleugnen sie nicht nur nicht die Göttlichkeit der Tradition und der Jnterpretationsregeln, sondern beide Fakta sprechen sie eben so entschieden als die Grundsteine und Ausgangspunkte ihrer Abhandlungen aus, wie Herr Frankel eben diese beiden Fakta nicht nur verschweigt, nicht nur mit vorsichtigster Feder--