Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Herr Dr. Frankel
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 443 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Herrn vr. Frankels Erklärung. 441 ausreichender Tradition endet und das Reich interpretirender und folgernder סברא beginnt, da ist הלכה כבחראי. Hat aber Gott seinem Volke nichts als das schriftliche Gesetz, nichts als die fünf Bücher des Pentateuchs in die Hand gelegt, haben wir nichts als göttliche Schrift und menschliche Ansicht über das Geschriebene in Händen: dann hat Gott eben damit die Einsicht und die Ansicht einer jeden Zeit und eines jeden Geschlechts als giltige Jnterpretation seines Gesetzes bestellt, hat es förmlich der Einsicht einer jeden Zeit überantwortet, dann ist ganz und gar kein Motiv vorhanden, weßhalb eben die Exegese und die Interpretation eines Esra, einer Ecclesia magna, eines Hillel 11. s. w. für uns maßgebend sein soll, dann können wir ebenso wie jene srühern Männer noch heute uns hinsetzcn und das Gesetz na," ׳.unser er Einsicht für uns obligatorisch interpretircn, dann v2ue Jannäus vollkommen Recht:!!— תורה כמקום זוית מונחת כל חריצה ליטול יכא ויטול Allein, Herr Frankel scheidet — wie sein Freund Landau — Dogma und Wissenschaft, —- giebt aber eben mit dieser Scheidung dem was er Dogma nennt, den vollendeten Todesstoß. Es giebt nur Eine W ahrh et t. Was dogmatisch wahr ist muß es auch für die Wissenschaft sein, und was die Wissenschaft als Lüge und Täuschung vernichtet, das kann nicht dogmatisch als Wahrheit auferstehen. Wenn mich die Wissenschaft lehrt: menschliche Forschung und menschliche Erfindung hat die Halacha erzeugt, so kann mich kein Dogma dahin bringen, das als uraltes, von Gott gesprochenes Diktat zu verehren, und von ihm mein ganzes Leben Ln konkretester Thatsächlichkeit beherrschen zu lassen, was mich der wissenschaftliche Gedanke als junges Menschenwerk erkennen läßt. Zum einfältigsten Köhlerglauben, zur blinden ״Gesangennehmung der Vernunft unter den Glauben" erniedrigen diese Herren, die sich als die Großpächter der Wissenschaftlichkeit geriren, den Hellen Geist des Judenthums und schmuggeln zu ihrer Defensive aus andern Kreisen eine Scheidüng ein, die dem Judenthume, die der Wissenschaft des Judenthums fremd ist. Der jüdische Gedanke kennt keine solche Scheidnng von Glauben und Wissenschaft, die das Credo für den Himmel und die Wissenschaft für die Erde bewahrt, die das ״Dogmatische" zum gelegentlichen Gebrauch für den himmlischen Portier als gelösten 27«-