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Jeschurun · 1861-05-01 · Heft 8 (Mai 1861) · p. 433

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 8 (Mai 1861)
Article
Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz
Date
1861-05-01
Page
433 (sequence 10)
Language
German
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Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz- 433 wendig. Es sind darum die Eltern, die ihre Kinder Behufs ungeschmälcrter Theilnahme am Unterrichte, auch am Sabbath nicht blos in die Schule schicken, sondern auch Alles, was die Schule von ihnen fordert, auch an Feiertagen erfüllen lassen, eben so wenig zu tadeln, wie der Mann des Geschäfts, welcher um obenauf zu bleiben und seinen Einfluß in der Welt — wäre es auch nur in der Finanzwelt — zu behaupten, sein Comptoir oder seinen Laden am Sabbath offen hält. Zu verdammen bleibt nur der, welcher mit so starken Banden an die Welt sich fesseln läßt, daß er selbst am Sabbath sich gar nicht, auch nicht auf Stunden, losretßen kann, um sich in diesen einmal höhern Gedanken hinzugcben. — Es giebt allerdings Viele, selbst in unserer erleuchteten Gegenwart, die mich ob dieser Ansicht verketzern würden, wenn sie auch sonst eben nicht sehr fest am Althergebrachte» hangen, und ist cs darum noch nicht an der Zeit, diese Wahrheit, die nebenbei gesagt vielleicht schon der Talmud mit seinem דינא דמלכלתא דיגא lehrte, öffentlich vor allem Volke zu lehren; dir gegenüber mußte ich mich darüber aussprechen um dich zu überzeugen, wie ich dem Zutrauen, das dein Vater in mich setzt, volle Rechnung trug, als ich es zugab, daß du ain Sabbath in das Geschäft gehest. Glaube aber nicht, daß ich dir den Segen des Sabbath ganz geraubt habe; nein, ich habe die aus drückliche Bedingung gestellt, daß du wenn der Sabbath doch nicht ganz frei sein könne — mindestens die Erlaubuiß habest, — der Predigt beizuwohnen!!" Junge! schrie ich den Knaben an, Junge du lügst, welcher Mensch, wenn er sich auch nur Jude nennt, wäre so verrückt oder gottvergessen, auf diese Weise mit dem Sabbath zu contrahiren, daß er mit dem Anhören der Salbaderei — die sic Predigt nennen — dem Sabbath sein Theil zu geben glauben könnte? Ja wohl, sagte mein Freund, dem ich es jetzt ausah, daß er keine Neuigkeit erfahren, wohl muß das dem Verstände eines einlachen Laien ganz absonderlich vorkominen; aber frage doch einmal unfern jungen Freund, nach dem Rainen jenes väterlichen nnd gelehrten Freundes, der so geschickt mit seinem Prtneipale wie mit dem Sabbath zu contrahiren verstanden. Nun, sagte der Jüngling, cs ist ja der Rabbiner selbst, der mich hier untergcbracht und be>\ Eontraft abgeschlossen hat. Wie konnte ich mich erdreisten, etwas zu ver-

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