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Jeschurun · 1861-05-01 · Heft 8 (Mai 1861) · p. 432

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 8 (Mai 1861)
Article
Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz
Date
1861-05-01
Page
432 (sequence 9)
Language
German
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432 Ersahmngen eines Sandmannes in der Residenz. thüre stand, und fragte mich, ob ich den jungen Mann dort nicht kenne? Allerdings! rief ich, das ist ja der Sohn meines Nachbars, der seit einigen Wochen hier ist. Aber, mein Gott! der Sohn mcincs frommen Nachbars und Freundes am Sabbath im Laden und mit der Feder hinter dem Ohre? Dem will ich doch einmal den Text lesen! He, Samuel, wie geht's? Du scheinst das Vaterhaus und die Vaterlehren sehr bald vergessen zu haben, daß ich dich heute hier finde und so finde! Was wird dein Vater sagen, wenn er hört, daß ich dich heute hier gefunden und so gefunden? ״Was mein Vater sagen wird, das weiß ich nicht; aber das weiß ich, daß ich die Vcrpflichtung, am Sabbath im Geschäfte zu sein, nicht übernommen hatte, wenn mein Vater mich nicht in allen Dingen an seinen Freund gewiesen hätte, von dem er freilich nicht erwarten konnte, daß er so leichtfertigemit dem Sabbath handeln würde, wie man hier an demselben handelt. Derselbe hatte meinen Vater versichert, für mich eine Stelle gefunden zu haben, so gut er sie für den eigenen Sohn wünschen könnte, worauf mein Vater demselben unbeschränkte Voll-, macht für den Abschluß des Contraktes ertheilte. Mein Vater hätte gewiß seinen Freund zu beleidigen gefürchtet, wenn er bei der Stellung, die dieser etnnimmt, denselben auch nur an die Sabbathfeier erinnert hätte. Ich kam hier an, wurde von meinem Principal geprüft, engagirt und aufgesordert, sogleich morgen einzutreten. Im ersten Augenblick dachte ich nicht daran, daß morgen Sabbath sei, und als ich aus der Heimkehr den Stellvertreter meines Vaters, welcher mich begleitet hatte, daraus aufmerksam machte, sagte dieser: Mein Sohn, es ist freilich nicht gut, daß die Juden es nicht verstanden haben, neben dem hohen Grade von Bildung, den sie erlangt, und der Ausbreitung ihrer sinanciellen Macht, die sie erstrebt, ihr religiöses Gefühl zu bewahren. Der Sabbath ist allerdings eine hohe Stiftung von weitreichender Bedeutung, wo er aber mit den Psiichten und Obliegenheiten des Staatsbürgerthums collidirt, da erheischen diese in unserer Zeit um so mehr jedes Opser (und hieße das Opfer auch — der Sabbath), als unserer Gegenwart die hohe Aufgabe in der Weltgeschichte geworden, jede Schranke, die uns von den Mitmenschen trennt, niederzureißen. Zu diesem Zwecke ist aber die Erklimmung einer möglichst hohen Stufe, sei es im Gebiete des materiellen oder geistigen Strebens, unerläßlich noth-

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