Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 430 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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430 Erfahrungen eines Landmannes tn der Residenz. erst schlimm sein, bis es besser wird; cs ist dies freilich schlimm, daß es erst schlimm werden muß; aber trösten wir uns mit dem Besser werden. Und besser ist es schon an manchen Orten geworden. An vielen Orten sind die Guten aus ihrem Sicherheitsschlummer erwacht und sind hemmend cingeschritten; an manchen Orten haben sie sich zu Thatcn ermannt und manchen Riß ausgefüttt, manches Zerstörte ausgebaut und viel Heiliges aus den Trümmern hervorgesucht und ihm den heiligen Platz angewiesen, der ihm gebührt. Können wir es auch nicht leugnen, daß Vieles nicht geschehen wäre, wenn man früher gehandelt hätte: so diene uns zur Tröstung, daß dieses Beispiel eben andern Orten als Lehre, diene, wie mit Zuwarten und Zugeben und Concessionen nichts gewonnen, wohl aber nach und nach Alles verloren werden könne. Zugegeben, sagte ich, daß da, wo die Neuerungssucht noch nicht einen so hohen Grad erreicht hat, noch Hülfe möglich ist; wie aber da, wo wie in .... nicht nur die Heranwachsende Jugend, sondern schon die Männer und Frauen tn jenen gefälschten Lehren erzogen sind und von dem Unrecht ihrer Lebensweise nicht einmal Bewußtsein haben? Auch da, meinte mein Freund, auch da ist Hoffnung, wenn — guter Wille nicht fehlt. Auch da wird bei Benutzung der vorhandenen guten Stoffe und deren Wege der Segen nicht fehlen; zeigt er sich auch nicht sogleich in vollem Glanze und werden auch hundert Jahre erst wieder gutmachcn können, was fünfzig zerstört haben — geschehen wird's doch! erfolgen muß es endlich! Wir dürsen eben nicht vergessen, daß die große Mehrzahl derer, die abgefallen sind, es eben nicht besser wissen; gelingt es dem Streben der Bessern nur, die richtige Kenntntß unserer Thora immer mehr zu verbreiten, so wird nach und nach auch der Ausübung ihrer Pflichten mehr Boden gewonnen werden. Doch komm', laß uns einmal eine Wanderung durch die Stadt machen; ich glaube, du wirst da Manches bemerken, was zum bessern Verständniß des Besprochenen bettragen wird. Ich folgte dieser Aufforderung um so lieber, als es eben mein Wunsch war die Stadt zu durchstreifen, und die Begleitung meines erfahrenen Freundes konnte mir natürlich nur angenehm sein. Es war ein herrlicher Tag, das Wetter warm, aber nicht zu heiß zu einem Spaziergang und darum auch von Jedem benutzt, dem es