Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 429 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Erfahrungen eine« Landmannes in der Residenz. 429 eben zu der obenerwähnten Klasse A, benCeremonien gehört — kann alles Andere beseitigt, verbessert, auch Anderes an seine Stelle gesetzt werden. — Soll doch irgend einmal die!8״£־, mittels ״Einsegnung" — wohlverstanden: durch den Geistlichen! — ersetzt worden sein! — Hier brach mein Freund ab und ich forderte ihn nicht zur Fortsetzung des Gesprächs auf, weil ich fühlte, wie schmerzhaft ihn diese Darstellung berührte, obgleich es seinem fühlenden jüdischen Herzen vielleicht eine Erleichterung gewährt haben mochte, sich einmal recht aussprcchen zu können. Ich nahm mir aber vor, mit eigenen Augen mich zu überzeugen, ob der Eifer zu Uebertretbung geführt habe, und besuchte zu dem Ende, am Freitag Abend und Sabbath Morgen die Synagoge. WaS ich dort sah und hörte konnte mich nach dem gestrigen Gespräche nicht mehr überraschen; aber nur zu sehr lernte ich jetzt den Kummer meines Freundes würdigen und ich verließ den prächtigen Bau mit dem Gedanken: Wie viel Großes könnte auf Erden geschehen, wenn man eben so willig für die Erhaltung des Guten, wie für den Glanz des Neuen spendctel — Als ich am Sabbath nach der Synagoge meinen Freund wieder besuchte, gestand ich offen, daß es mich fast reucte, meine Neugier befriedigt zu haben—so, in solchem Grade hatte ich den Abfall nicht geahnt! Mein Freund sprach sich aber jetzt ganz anders aus als gestern. Heute war er die Hoffnung selbst, während er mir gestern noch das Treiben der jüdischen Jugend in den grellsten Farben geschildert hatte. Auf meine darüber ausgesprochene Verwunderung entgegnete er mir: Allerdings habe ich gestern in bitter» Worten dem gepreßten Herzen Luft gemacht; weit entfernt bin ich jedoch zu verzweifeln: Das Gute, das Wahre muß siegen, so gewiß wie jeden Morgen die Sonne das nächtliche Dunkel besiegt. Gott läßt sein Wort nicht zu Schanden werden und eben so wenig läßt er Israel los und entbindet eS seiner Bestimmung, zu deren Erfüllung Er ihm die Thora verliehen. Betrübt mich auch das Treiben der Füchse in dem heiligen Weinberge tief, so richtet mich der Gedanke an jenen R. Akiba auch wieder auf, wie er seine Freunde, als sie Füchse an heiliger Stätte wühlend fanden, tröstete und rufe mit ihnen: 1מ־1מו!ני גחמתני! — Hat eS doch schon schlimmere Zeiten gegeben und das Judenthum ist Judenthum geblieben trotz Anfeindungen von Außen und Wühlereien von Innen. Ein altes Sprichwort sagt: Es muß