Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1861-05-01 · Heft 8 (Mai 1861) · p. 428

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 8 (Mai 1861)
Article
Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz
Date
1861-05-01
Page
428 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2932754-2932891-2932900-2945767--06509-2945850
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

428 Erfahrungen eines Landmanner in der Residenz. gesagt, erst von Esra geschrieben ist, und von welcher Mose hochstens das 5. Buch hinterlassen hat, diese Thora enthalte: a) Vorschriften, Gesetze, Ceremonien für bestimmte Zetten berechnet und nach Zeit und Vcrhältniß der Abänderung und Umbildung unterworfen; d) Glaubenslehren. Natürlich fällt Alles ad a. für uns weg. Was aber von b. noch bleibt — nun das kannst du selbst in Predigten gedruckt lesen: משיח und תחיית המתים — bildlich — das Letztere höchstens den Glaubensartikeln anderer Bekenntnisse angepaßt. So bleibt von der ganzen Thora der eine Artikel :יהודי. Bei einer derartig zu gestutzten Thora ist cs freilich kein Wunder, wenn man dieses Eine in pomphaftem Gottesdienste recht prnnkhast ansspricht und vielleicht haben wir diesem Grunde allein alle die prachtvollen Synagogen zu danken, welche die Neuzeit erbaut hat. Hier allein findet das wenige, vom Judenthum Uebrige, noch seinen Ausdruck — aus den Häusern, aus dem Leben hat man es verbannt. Gehe selbst und überzeuge dich in diesem prachtvollen Gebäude, was du außer dem äußerlich Jüdischen — etwa einem Reste von alten Gebeten (die freilich in jedem Worte einen Hohn auf das Leben enthalten), was du außer diesem noch von jüdischem Geiste findest; Alles ist bis zur Lächerlichkeit Nachäffung, Nachäffung der Gesang, Nachäffung die sogenannte Ordnung, Nachäffung von Anfang bis zu Ende. Darum ist genau vorgeschrieben, wann die Gemeinde fitzen, wann sie sich erheben muß. Nicht etwa gar den הלכות ספלה entsprechend — fehlgeschossen! Die Gemeinde muß sich erheben, (und wer es etwa nicht weiß, der wird, und zuweilen nicht sauft — daran erinnert), wenn der Geistliche das Gebet spricht oder (wohlgemerkt!) den Segen spendet und - wenn שמע ישראל gesprochen wird. Freilich כית הלל waren 2000 Jahre zurück, wenn sie empfehlen, das שמע sitzend, stehend, sogar liegend zu sprechen— in welcher Stellung der Betende eben sich befindet, weil sie in ihrer beschränkten Einsicht dafür hielten, daß der Inhalt des שמע jede Lage und jedes Verhältniß durchdringen und alle Zustände des Lebens läutern müsse; so kannten und hatten sie keine Ahnung von der Bildungsstufe unserer Zeit, die das שמע und seine Lehre nur noch für die öffentliche Gottesverehrung passend und sonst überall überflüssig findet; darum — weil alles andere

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.