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Jeschurun · 1861-05-01 · Heft 8 (Mai 1861) · p. 427

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 8 (Mai 1861)
Article
Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz
Date
1861-05-01
Page
427 (sequence 4)
Language
German
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Erfahrungen eines Landmannes in der Refidenz. 327 und durften, cntgegnete mein Freund, erlaube, daß ich dich hier an das Wort des Dichters erinnere: Es ist der Fluch des Bösen, daß eS fortzcugend Böses gebärt. עברה גוררת עברה — Allerdings mag dieses Unwesen selbst den Herren im modernen Chorrocke etwas zu weit getrieben erscheinen; aber wie konnten sie einschrciten, wie sich tu den Riß stellen, den sie selbst blosgestcllt. Hat dcrRabbiner auch nur ein Jota der Thora als veraltet gestrichen—wie will er es hindern, daß man ganze Seiten ausreiße? — Hat er eine מלאכה «m שבח erlaubt — womit will er es beweisen, daß andere מלאכות doch ferner untersagt find? — Hat der Rabbiner einmal angefangen, dem Gottcsdicnste und der Sabbathseier den modernen Zuschnitt zu geben, wie er eben in außerjüdischcn Kreisen beliebt ist — nun, mit welchem Rechte kann er gar darauf dringen, daß das Geschäft geschlossen sei, während cs in andern Kreisen schon genügt, öffentliches Acrgerniß zu vermeiden? Muß er da nicht den Juden als Muster hinstellen, der bei geschlossenen Fenstern und Thüren sein Geschäft betreibt? Giebt er doch auch kein öffentliches Aergerniß! Findet man es doch so an Sonntagen in andern Geschäften! Freilich wäre er noch mehr bcfriedigt, wenn am Sabbath der Laden während der Predigt ganz geschloffen bliebe! Um des Sabbaths willen? Gott bewahre! Nein, nur aus dem Grunde, weil cs eben in andern Kreisen nicht anders gehalten wird. Mein Freund war hierbei so in Eifer gerathen, daß ich ihn nicht unterbrechen konnte. Als er nun tnnchielt, konnte ich nicht umhin, ihn werken zri lassen, daß seine Orthodoxie ihm wohl ein gar zu dunkles Glas vor's Auge halte. Ich konnte mir in meiner ländlichen Einfalt keinen Rabbiner denken, der es wagte Hand zu legen nur an Gottes theuerstes Eigenthum, ebenso wenig auch einen solchen, der solche Frevel zu billigen und zu fördern wagte. Als ich mir erlaubte meinen Zweifel anszusprechen, cntgegnete mir mein Freund. Ich kann mir deine Zweifel um so mehr denken, als ich vor mehreren Jahren, noch in glücklicher Abgeschiedenheit von diesemTreiben wohnend, dieselbe Meinung hegte. Jetzt aber habe ich gelernt richtiger zu urtheilen und auch du sollst überzeugt werden. Ich zeige es dir Schwarz auf Weiß, wie es den Kindern in die Feder diktirt ist: die Thora, die nebenbei

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