Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 426 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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426 Erfahrungen eine- LandmanneS in der Residenz. auf dem Heimwege, dieser Mann also macht auch קרוש unb הבדלה? Wie vereinigt sich daS mit seinem Leben am Sabbath? Fühlt er nicht, daß er mit jedem Worte seinem Gotte, der ihm den Sabbath zu beobachten befohlen, einen Hohn in's Angesicht schleudert? Allerdings, entgegnet mein Freund, muß es unS so erscheinen und«,Ihr vom Laude könnt Euch einen solchen Unsinn nicht erklären. Wir begreifen daS besser; denn wir waren Augenzeugen der Art und Weise, wie diese Leute herangebildet und systematisch zu dem gemacht wurden, was sie gegenwärtig sind. Morgen wirst du Gelegenheit haben, noch weitere Beobachtuugen anzustellen, die dich, den guter, Juden, gewiß schmerzen werden und dir unerklärlich erscheinen müssen, wenn &r. nicht dem Strom bis an die Quelle folgst. - Du hast so eben einen Mann kennen gelernt, dessen Eltern, freilich unter viel bescheideneren Vcrhältnissen und Umgebungen, sicherlich den Sabbath so gehalten haben, wie wir ihn heute noch halten: die religiöse Erziehung und Belehrung ihres Sohnes ließen sie, außer dem eigenen Beispiele im Hause — und wir wissen ja, wie wenig dieses allein gegen das böse Beispielaußerhalb desselben schlitzt— leichtsinniger oder lässiger Weise die Schule besorge»; diese aber legte auf die Erziehung des Knaben zum Juden zuerst wenig Nackdruck; späterhin kam das religiöse Element nur in sofern in Betracht, als man Mittel und Wege einschlug, das alte Judenthum zu untergraben und statt dessen ein eigenes Machwerk hinzusicllen, das — mit Ausschluß ei- Niger sogenannter Glaubensartikel und Formeln — eine Nachäffung anderer Bekenntnisse geworden ist. Hätten die Bessern damals sich ermannt — das Uebcl wäre wahrlich nicht so weit gediehen, daß wir heut zu Tage froh sein dürfen, wenn cs nur nicht fortschreitet; leider aber haben unsere Frommen immer zu viel auf Gott und zu wenig auf sich vertraut, und sich erst ermannt wenn nur noch אחד בעיר ושנים במשפחה zu den Getreuen sich bekannten. Es wäre wahrlich nicht dahin gekommen, daß man die Kinder in der Schule förmlich in dem unterrichtet, was in unfern Tagen von der Thorah nicht mehr gültig ist, es denselben klar und deutlich einprägt, daß א«( הורה מן השמים — Wie aber, fragte ich, konnten und durften die Rabbiner — ich denke eben an die modernen — wie konnten und durften diese, wenn sie sich Nabbinen nennen, diesem Unfuge zuschauen, ohne hindernd und hemmend einzuschreiten? — Wie sie es konnten