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Jeschurun · 1861-05-01 · Heft 8 (Mai 1861) · p. 425

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 8 (Mai 1861)
Article
Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz
Date
1861-05-01
Page
425 (sequence 2)
Language
German
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Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz. 425 zu geben durch קהש und הבדלה, bete seine Sabbath-Gebete, aber — das Comptoir könne er nicht schließen. Und in der That — so unglaublich mir das Ganze erschien, als mein Freund mir diese Schilderung schriftlich machte, so sehr überzeugte ich mich von der Wahrheit des Gesagten und von Hoch vielem Andern, was ein Jude ans einem Landstädtchen, der noch nichts vom modernen Audenthnm mit eigenen Augen gesehen, kaum für möglich halten würde. — Ich brachte meinen Sohn selbst an den Ort seiner Bestimmung, um ihn unter gewissenhafte Aufsicht zu stellen; denn znrechtweiscn und einführen konnte ich ihn nicht selbst, da mir, wie gesagt, das ganze großstädtische Leben eben so fremd war, wie ihm. Um so großer war auch die Spannung, mit der ich dieser neuen Welt cntgegenging; doch war diese weniger dem Treiben der großen Stadt als dem Leben der Inden in derselben zugewcndet, um so mehr, als diese Stadt seit langer Zeit die Tonangeberin in Neuerungen war und das kleine Häuflein Schriftgctreuerin derselben dem ganzen Deutschland und vielleicht der ganzen Gegenwart das erste Beispiel von Opfcrsreudigkcit und thatkräftigcr Ermannung zur Erhaltung des überlieferten Judenthums gegeben. Ich konnte hier mit Recht auf interessante Beobachtungen nach beiden Seiten hin rechnen, um so mehr, als mir mein erwähnter Freund seine Beihülfe zugesagt hatte. Ich kam mit meinem Sohne an einem Freitag gegen Mittag in .... an. Natürlich war mein erster Gang zu meinem Freunde und mein zweiter — in dessen Begleitung — zu dein Prineipale meines Sohnes. Ich lernte in demselben einen Mann kennen, den ich nicht zu schildern habe, wenn ich ihn nicht blos einen Banquicr, sondern einen Börsenmann eowras 11 kaut nenne. Als einem solchen ist ihm nur das wichtig, was mit der Börse in Beziehung steht, und ״was dieser am nächsten, steht ihm am höchsten." Was Wnnder also, daß diesem Manne der eine Tag, an welchem sein Bureau geschlossen ist, der ׳ו"כ, ein unschätzbares Opfer ist? Was Wunder, daß derselbe keinem jungen Manne seines Geschäfts erlaubte, den Sabbath zu feiern, wenn dieses darunter leiden mußte? Und in der That gestattet er es auch nur Demjenigen aus seinem Personale, dessen Abwesenheit aus dem Geschäfte keine Unterbrechung in dem Gang desselben verursacht. — Dieser Mann, fragte ich meinen Freund 26»

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