Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Die Reform des jüdischen Gottesdienstes
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 414 (sequence 17)
- Language
- German
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414 DK Reform beS jüdischrri Gottesdienste» Sonderbar! gerade vom Standpunkte des Verf. aus, dünkt uns dessen Auffassung eine sehr auffällige. Es steht unläugbar fest, daß dem geschriebenen Gesetze zufolge der Reumondstag ein Werktag ist. Während im Pentateuch die Arbeit an Sabbathen und Festtagen ausdrücklich verboten wird, findet fich für den Neumond keine Spur eines solchen Verbotes; gleichwohl aber wird für denselben ein besolideres Opfer angeordnet, was deutlich beweist,, daß die H. S. diesen Tag, trotzdem er ein Werktag ist, dennoch durch einen feierltchern Gottesdienst ausgezeichnet wissen will. Warum will nun Herr Dr. G. diesen Fingerzeig der H. S. nicht beachten, warum desavouirt er den feierlichern Gottesdienst dieses Tages? Gesetzt es wäre erwiesen, daß cs zu einer Zeit allgemeiner Brauch gewesen, sich am Neumond der Arbeit zu enthalten, und dieser Brauch stützte fich gar auf eine Tradition, so würde doch sicherlich eine solche Tradition sich mit der einfachen Schriftauslegung nicht gut vereinigen lassen. Seit wann aber ist Herr Gein so scrupulvser Verehrer der Tradition, zumal wo sie mit der einfachen Schriftauslegung nicht übereinstimmt; oder wäre dies nur, weil er hier glaubt, seine Reform an die Tradition lehnen zu können? In der That aber giebt es weder eine Tradition, noch läßt sich irgendwie ein allgemeiner Brauch Nachweisen. Amos 8, 5. beweist nicht das geringste.*) Unsere vorzüglichstcn alten Excgeten, Jonathan, Nascht, Nabe, Redak crklären diese Stelle anders, im Talmud wird entschieden der Neumond als ein Tag bezeichnet, an dem die Arbeit gestattet ist, S. T. O. CH. C. 417. B. Jos. das. Daß dieser Tag häufig in Verbindung mit Sabbathen und Festtagen genannt wird, daß er dazu benutzt worden, die Gottesmänuer zu besuchen, rechtfertigt sich zur Genüge *) Eher wäre ein schwacher Beweis vom 1. Schem. 20, 19 wo der Tag vor dem Neumond;יום מעשר genannt wird, was Jonathan mit ״ יומא רחן־לאWerktag * übersetzt, woraus sich ergeben würde, daß der Neumond kein Werktag gewesen. Allein Jonathan läßt sich durch den vom Verf. angeführten Brauch der frommen Frauen rechtfertigen, oder könnte höchstens beweisen, daß dieser Brauch zu jener Zeit etwa eine größere Ausdehnung gehabt, was Redak z. St. welcher Jonathan citirt, annimmt. Redak selbst erklärt den Ausdruck יום מעשרן anders. Vergl. Naschi und Thos. zu Meg. 22, 2 u. a. a. O. m. über zwei Stellen, im Talmud, die für ein Verbot der Arbeit am Neumond zu sprechen scheinen.