Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Die Reform des jüdischen Gottesdienstes
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 413 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2932754-2932891-2932900-2945766--06493-2945835- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von Rabbiner D. Deutsch. 413 zahl, die aber ein für allemal genügt, und man weiß, woran sich zu halten. Herr G. jedoch ist diesmal scrupulöser, frommer als der Schulchan Aruch, ihm genügt für den feierlichen Gottesdienst ein Minimum, also die Zehnzahl, nicht. Wie aber, wenn an einem Orte nicht mehr als zehn Israeliten wohnen, so dürfen sie an Sabbathen und Festtagen, wo der Gottesdienst doch sicherlich ein feierlicher ist, gar keinen öffentlichen Gottesdienst abhalten, und wenn sie es thun so versündigen sie sich durch Entweihung des Gotteshauses. Ja, wie verlautet, sieht der Tempel des Herrn Dr. G. an gewöhnlichen Sabbathen beim Gottesdienste in seinen Räumen wenig mehr als die Zehnzahl, was sogar eine Aeußerung des Herrn G. (S. 25) zu bestätigen scheint. Nun warum gestattet er diesen Gottesdienst und leitet ihn selbst, warum versündigt er sich durch Entweihung des Gotteshauses? Und überhaupt die Zehnzahl, ein Minimum, genügt nicht zu einem feierlichen Gottesdienste; warum aber wird die erforderliche Zahl nicht angegeben? Muffen es Fünfzig, Hundert sein, oder wie viel sonst? Hat Herr G. denn nicht daran gedacht, daß er seine Committenten ganz rathlos laßt?- Vcrf. geht zum Neumondstag über. ״In der biblischen Zeit" — sagt er — ״war der Neumondstag ein vollkommener Festtag und den Sabbathen und hohen Festen gletchstehcud, er wirb daher mit diesen zugleich genannt, er war wie der Sabbath, ein Tag, an welchem man Propheten besucht (2 Kön. 4, 22), ja, der Geschäftsverkehr war an ihm wie am Sabbathe unterbrochen (Amos 8, 5.) daher auch für einen feierlichen Gottesdienst sehr wohl geeignet (Jcs. 66, 23). Zn der spätern Zeit sank die Würde des Neumondes, er war ein Werktag wie andere, nur von besonders frommen Frauen wird im Talmud die Sitte berichtet, daß sie sich des Arbeitens enthielten und also trotzdem, daß damals die Verkündung des Neumonds durch das Synedrium eine große Feierlichkeit war, hatte doch der Tag keinen festlichen Charakter. Seit Einführung der Kalenderberechnung ist auch jene Vcrkündungsseierlichkeit geschwunden. Nur der Gottesdienst trägt noch Spuren eines alten Festes, das nicht mehr existirt, Spuren, die im Widerspruche mit der gegenwärtigen Bedeutung des Tages stehen. Mögen die Hallelpsalmen ihm verbleiben, das Vorlesen der Thora, das Mußaph muß ihm entzogen -werden."