Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Die Reform des jüdischen Gottesdienstes
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 406 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Die Reform des jüdischen Gottesdienstesu. s. w. vorgeworfen und auf Entfernung dieser Ucbelstände gedrungen. / Wenn eine extreme Kritik unserer Zeit bekanntlich selbst der göttlichen Offenbarungsschriften nicht schont, wie sollte sie der Ge-; bete schonen? Unseres Dafürhaltens lohnt es nicht, hierüber viele Worte zu machen. Gebete, die zum großen Theil ihren Ursprung von den Männern der großen Synagoge herleiten, mehr als zwei Jahrtausende bestehen und sich der Anerkennung der gesammten Judenheit erfreuen, die unfern Vätern in den Zeiten der schwersten Trübsal zum Tröste und zur Kräftigung gedient, sie zur Ergebung in! die herbsten Geschicke begeistert, ja den todesmuthigen Glaubcnöhelden ihren Kampf erleichtert, die haben ihren Werth und ihre Berechtigung zur Genüge dargethan, die sind zu ehrwürdig und stehen zn hoch, um solcher Kritik gegenüber einer Rechtfertigung zu bedürfen. Kein wahrhaft jüdisches Gemüth wird wünschen, daß diese Gebete verstümmelt oder modernen Machwerken nachgesctzt werden, deren Werth und Berechtigung mindestens sehr zweifelhaft ist, und an denen sicherlich eine strenge Kritik mehr wird auszusetzen haben. ן Was die Sprache des Gebets betrifft, so schwankt Vers, nach beiden Seiten. Die Muttersprache, meint er, stimmt weit mehr zur Andacht als die hebräische, und doch will er die hebräische nicht ganz entfernt wissen, jedenfalls für den öffentliche Gottesdienst, für die Gegenwart nicht, aus Gründen, die, wer sie zu wissen wünscht, in der Brochüre selbst Nachlesen wolle. Daß cs Noth thue, die hebräische Sprache mindestens beim Gebete beizubehalteu, damit cs ein Bedürfniß bleibe, die Jugend in derselben unterrichten zn lassen und dadurch dieser Jugend das Verständniß der göttlichen Urkunden in der Ursprache ermöglicht, wie überhaupt Gesetzesstudium und jüdisches Wissen gehoben und gefördert werde; damit ferner der Jude überall am gemeinsamen, öffentlichen Gebete theilnehmen könne; daß die hebräische Sprache eine heilige sei, in der sich Gott offenbart, die göttlichen Propheten gewcissagt, die gottbegeistcrten Sänger und Lehrer gesungen und gelehrt haben, darauf wird nicht hingewicsen. Nur verwahrt sich Verf., man möge ihn beileibe nicht der Nachgiebigkeit gegen die träge Gewohnheit beschuldigen; es sei vielmehr der fromme Gedankenkreis, der ihn bestimme, der sich oft an einen | einzelnen hebräischen Satz, ja an ein Wort, an einen Klang an- U