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Jeschurun · 1861-05-01 · Heft 8 (Mai 1861) · p. 402

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Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 8 (Mai 1861)
Article
Die Reform des jüdischen Gottesdienstes
Date
1861-05-01
Page
402 (sequence 5)
Language
German
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402 Die Reform des jüdischen Gottksdienstcs herrliche Tempeleinweihungsgebet Schelomol/s, voll der schönsten i Gesinnungen gegen Andersglaubende, schließt gleichwohl mit den i Worten: ״Denn du hast sie (Israel) ausgesondert, Dir zum Eigenthum aus allen Völkern der Erde ff." 1. Kön. 8, 53.; und die Auserwählung sollte der Irreligiosität Nahrung geben, der wahren Frömmigkeit zum Fallstrick werden müssen, und nicht ausgesprochen werden dürfen? — Auch der Ntchtjude — so er die Bibel als g öttliche Offenbarung anerkennt — muß die Auserwählung Israels! anerkennen, und thut er dies auch, nur behauptet er, Israel habe später in Folge einer schweren Sünde seinen Vorzug eingebüßt, und! sei von Gott verworfen worden. Daß der Jude, so lange er sich zum Zudmthum bekennt, diese Behauptung durchaus in Abrede stellt nnd mit aller Kraft zurückweisen mnß, bedarf wahrlich kaum der Erwähnung. Darum aber thut es, gerade seitdem dieselbe aufgetaucht ist, mehr als je noth, Israels Auserwählung unumwunden zu manifcstiren, einmal als Protest gegen die Gehässigkeit Anderer und zun! anderen ganz besonders um sie fort und fort uns selbst zu neuem Bewußtsein zu bringen. Hauptsächlich aber soll das Bewußtsein der Auserwählung sittlich und religiös kräftigend auf uns cinwtrken und uns aneisern, uns derselben durch wahre Frömmigfeit und reinen, fleckenlosen Wandel stets würdig zu beweisen. Diese Auserwählung ist überdies keine unverdiente. Israel hat sie sich verdient durch vielfach freiwillig übernommene Entbehrungen und Verzichtleistungen auf zeitliche Güter zu Ehren Gottes, noch mehr aber durch fast zweitausendjähriges Märtyrerthum, durch Hinnahme von Schimpf und Hohn und namenlosem Jammer, durch Htnopferung von Tausend und aber Tausend seiner besten von Tigerhänden hingemordeten Söhne und Töchter um seines Gottes und der göttlichen Wahrheit willen; denn wahrlich es hätte nur weniger, heuchlerischer Worte bedurft um all' diesen Schrecken ein Ende zu machen. — Die Auscrwählung ist daher keineswegs geeignet, wie Herr Dr. G. sagt — dem Gedanken Nahrung zn geben, als sei Israel ״ohne wetteren Grund und eigene Anstrengung etwas Besseres als andere Menschen"; sie soll durchaus nicht der ״dünkelh asten Selbstüb erschä tzuug und geringschätzigen Betrachtung Anderer" Vorschub leisten. Sie soll uns ja zum Fort-

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