Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Die Reform des jüdischen Gottesdienstes
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 400 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2932754-2932891-2932900-2945766--06480-2945822- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
400 Die Reform des jüdischen Gottesdienstes. das einzelne Glied von dem ganzen jüdischen Körper, ohne Schaden an sich selbst zu leiden., Darum ist auf religiösem Gebiete die Reform allein segenbringend, nicht die Revolution. Die jüdischereligiöse Reform muß zwar mit der vollsten Energie sich erfüllen. Dennoch aber muß sie mit der größten Umsicht die vorzunchmenden Schritte abwägen und dem Drange der Gegenwart nicht die Verbindung mit der Vergangenheit, den individuellen Empfindungen nicht den Zusammenhang mit der Gesammtheit opfern." Wir glauben, dergleichen Aussprüche berechtigen, von demjenigen, der sic gebraucht, zu der Erwartung, er werde solche Institutionen auf jüdisch-religiösem Gebiete, welche sich während einer langen Vergangenheit der Anerkennung der jüdischen Gesammtheit zu erfreuen gehabt, wenn nicht gerade mit Ehrfurcht, doch mindestens mit gebührender Mäßigung und Schonung besprechen. Sehen wir zn, wie Verf. diese Erwartung rechtfertigt. S. 19. Bet Besprechung der Auszeichnung des Montags und Donnerstags vor anderen Werktagen durch einen feierltcheren Gottesdienst heißt es: ״Es ist eine Entweihung des Gotteshauses, wenn an Werktagen vor einem Minimum von Gemeindemitgltedern das Gotteswort aus der Thora rasch hergesprochcn, überhaupt ein feierlicher Gottesdienst abgehalten würde, bei dem eine feierliche Stimmung durchaus nicht zu erwarten ist." Es ist Thatsache, daß die gesammte Judenheit, ohne Ausnahme, mindestens seit zwei Jahrtausenden bis auf den heutigen Tag, die Institution eines feierlichen Gottesdienstes am Montag und Donnerstag anerkennt, und einen solchen Gottesdienst in ihren Synagogen abhalten läßt. Also — nach H. G — versündigt sich die gesammte Judenheit seit zwei Jahrtausenden bis auf den heutigen Tag unausgesetzt jedes Jahr mehr als Hundertmal durch Entweihung ihrer Gotteshäuser. Wir unsererseits wissen keine Bezeichnung für eine so überaus empörende Behauptung, und hätten Niemand, der sich zu Israel zählt und dem noch ein Funken von Pietät im Busen glimmt, einer solchen Behauptung fähig gehalten. Hierdurch hat Herr G. in der That bewiesen, daß ihm — wie er im Vorworte sagt — der Jugendmuth nicht gelähmt ist, ja, er scheint Ich noch gesteigert zu haben, ein Jugendmuth, wohl am richtigsten zu commentiren durch die Worte jenes Rabbi: ילדות היחה בי והעזתי פני. (B. Bathra 131, 1.) Auf die Sache selbst werden wir später noch zurückkommen.