Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1861-05-01 · Heft 8 (Mai 1861) · p. 392

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 8 (Mai 1861)
Article
Ijar
Date
1861-05-01
Page
392 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2932754-2932891-2932900-2945765--06471-2945814
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

392 Sjar. nimmt? Ist es denn bereits überall so Tag für Israel in Mitte der Völker, daß diese Seufzer iu seiner Synagoge keine Stätte mehr fänden? Auch dort, wo um Mitternacht gesetzliche Häscher in jüdische Hütten einfallen und kleine, kaum derMutterbrust entwachsene Knaben den Armen verzweifelter Väter und Mütter entreißen, um sie in acht- und zwanzigjährigem Knutendienste ihrer Familie, ihrem Gotte und ihrem Volke zu entfremden? Auch da, wo jüdische Kinder an bürgermeisterltchen Fußtritten verbluten? Oderanch da und da, wo man die jüdischen Häuser als von christlichen Dienstboten zu meidende Schandhöhlen der Unsittlichkeit und des Fanatismus verlästert, wo man dem Juden die redlichen Wege der Nahrung verbietet um ihn hintendrein wegen der Ungesetzlichkeit seiner Nahrungswegc zu ächten, wo noch immer Zudengesetze, und Judenrechte, und Judenpate«te von der Ungeheuerlichkeit zeugen, unter welcher sich der Name Jude den Völkerblüthe und Staatcnwohl bcrathenden Geistern darstellt? Ist es denn in Wahrheit schon ganz und überall schon so Tag, daß — selbst wenn Israel keine andern als politische Seufzer kennen würde — diese Seufzer endlich in seiner Synagoge verhallen dürften? Haben wir aufgehört ein Volk, eine Familie zu sein? Sind die Bande mitfühlender Sympathie gebrochen, daß wir von unserm Dörflein aufjubeln dürften, wenn der Erdball trauert? So dürften wir selbst an der Berechtigung zweifeln selbst wenn diese Seufzer nur dem Verluste oder der Verkümmerung politischer Güter gälten. Allein es waren ja überall nicht politische Güter, deren Verkümmerung oder Verlust jene Seufzer und Thräneu hervorriefen, welche noch in den Sefirah-Jozeroth beben. Hätten unseren Vätern nicht höhere Güter gegolten, wären unseren Vätern ihren Enkeln gleich politische Freiheit und politische Rechte das Höchste gewesen, die selbst mit Hinopferung des sonst Heiligsten nicht zu theuer erkauft wären, wahrlich es wäre das Geschick unserer Väter weniger thränenretch gewesen, der Fanatismus, der die Geißel über die Zuden schwang, hätte leichten Kaufs sein Ziel erreicht. Vor dem ersten Scheiterhaufen, den der blinde Eifer dem Juden zu errichten begonnen, hätte die Judenhett ihr Judenthum geopfert und hätte mit diesem einzigen Opfer sich die Freiheit und die Gleichberechtigung in Mitte der Völker erkauft. Und welches menschliche Herz hätte si darob getadelt? Welches menschliche Herz sich einen größer» Herots-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.