Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 7 (April 1861)
- Article
- Vorläufige Abrechnung
- Date
- 1861-04-01
- Page
- 349 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932891-2932899-2945719--06430-2945727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vorläufige Abrechnung. 349 dem Redakteur gar kein Urtheil möglich ist — durch Andere über Persönlichkeiten verbreiten zu lassen. Was wir au uns selbst ersahreu hatten, hatte uns abgeschrcckt. Die Lügen, zu deren Verbreitung andere, ihren Acker mit dem Schmutze des Skandals düngende Blätter sich seit Jahren über unsere Persönlichkeit hergegcben, hatten uns Vorsicht gelehrt, hatten uns gelehrt für das öffentliche Wort mindestens die pflichtgemäße Ehrenhaftigkeit der Privatrede zu beachten, und für das gedruckte Wort keinen Freibrief für das Verbrechen der ״Böszunge" zu kennen. Wir haben aber ebenso auch nie von uns zum Publikum gesprechen, haben nie für uns ein Wort geredet, haben nie weder unser noch ein anderes Blatt benutzt um von unserm Schaffen und Streben, von unfern Versuchen und Leistungen einen Bericht in die Oeffcntlichkeit zu bringen, haben nie die Hand je geboten uns auch nur den bescheidensten Kranz irgend einer Anerkennung zu winden, haben selbst Lügen und Verleumdungen ohne Erwiederung und Widerlegung gelassen — es widerstrebte unserm innersten Wesen, über uns selbst zum Publikum zu sprechen. Wir glaubten unsere Aufgabe anders verstehen zu müssen. Die Ereignisse der letzten Wochen — wir fühlen es tief, es sind dies nicht nur für uns ״Ereignisse", es sind dies schmerzlichheitere ״Ereignisse" in der ganzen Entwickelungsgeschichte der jüdischeu Gegenwart — die Ereignisse der letzten Wochen nothtgen uns, ein Wort von uns und für uns zu sprechen. Wir müßten die Sache, die wir vertrete», verachten, wenn wir schwiegen, wenn wir auch nur den Schein veranlassen möchten, es dürfte diese Sache von so ehrlos unreinen Händen gehandhabt werden, wie man uns in in diesen Wochen dem jüdischen und nichtjndischen Publikum anzudichten sich abgemüht. Wie einen zerfetzten, von Pöbelhäuden durch den Koth geschleiften, blutigen Leichnam hat man uns unsere ganze Vergangenheit vor die Füße geworfen, hat mit den schamlosesten Erdichtnngen und Lügen unfern sittlichen, bürgerlichen, amtlichen und wissenschaftlichen Charakter durch alle zu Gebote stehende frivole Zeitorgane zu vernichten sich bemüht, hat selbst unser Privat- und Familtenleben mit dem Schmutze der Verleumdung besudelt, hat uns die schmachvollsten Erbärmlichkeiten angedichtet, um uns in den Augen der Zeitgenossen zu vernichten, uns zu einer so schmutzigen Armse- 24*