Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 6 (März 1861)
- Article
- Noch ein Wort an Herrn Dr. Duschak
- Date
- 1861-03-01
- Page
- 332 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Noch ein Wort an Hrn. vr. Duschack. stand dies oder jenes geschrieben haben, braucht wahrlich ein Rabbtner gerade nicht zu wissen, und Unsinn wäre eS zu verlangen, daß Niemand etwas schreibe aus Furcht, es konnte Jemand hier oder da über denselben Gegenstand etwas veröffentlicht haben, das ihm unbekannt ist. Aber daß nach rabb. Eherechte, die Schwägerin dem Levir nicht ins Angesicht spuckt, daß אשת חמיו im Talmud und den Decisoren besprochen wird, das sollte ein Rabbiner doch wissen! — Nun dies und noch manches ähnliche ist mir schon seit 1857 bekannt/ ohne daß ich dadurch vermocht worden bin als Ritter der Wahrheit auszutreten. Doch wenden wir uns zu unserm eigentlichen Gegenstände. Ich will es doch auch einmal mit einer didaktischen Floskel versuchen. Es ist heutzutage ein beliebtes Manöver mancher Scribenten, ihren Gegnern mit vornehmen und gelehrt klingenden Redensarten entgegenzutreten, als da sind: Gründlichkeit, Wissenschaftlichkeit, Kritik üben re. um letztere dadurch gewissermaßen einzuschüchtern; allein die Nabbinen pflegten zu sagen: ראיות ברורות יחנו עידיהם ויצדקו. Zur Sache. Daß auf Bablt mehr Gewicht zu legen sei als auf Jerusch, best׳ eitet H. D. Babli diene zur Richtschnur für Halachah; handelt es sich aber um Facta in Palästina, so müsse jeder Aufänger der jüd. Geschichtsforschung wissen und zugcstehen, daß aus Jerusch, mehr Gewicht zu legen sei. Allein wissen und zugcstehen ist zweierlei. Wohl ist diese moderne kritische Anfängerregel mir bekannt; aber es ist mir auch bekannt, daß sie nichts weniger als begründet ist, und zwar zuvörderst weil der Jerusch, den babyloni- Zeit bas HeirathSverbot das Jernsch. zwischen Stiefgeschwister» (חורגים), welches Thos. Zebam. l. c. anführt, sehr befremdend finde, indem eS cine feststehende Thatfache ist, daß die Aeltern Rab'S Stiefgeschwister gewesen, s. Pesachim 4, 1. M. katan 20,!. was Jerusch, doch sicherlich nicht in Abrede stellen wird. Allerdings ließe diese Schwierigkeit sich heben durch die Annahme, daß dies Verbot zufolge Thos. erst nach der Zeit Rab's eingeführt worden, oder daß die Eltern Raba's sich verheirathet an einem Orte,"' wo sie nicht bekannt gewesen, oder daß sie nicht zusammen in einem Hause ausgewachsen, in welchen beiden lehtern Fällen Jerusch, eine Heirath gestattet, aber es bleibt doch immer höchst auffällig, daß weder der Talmud, noch irgend einer der mir bekannten Autoren von dieser bedeutsamen Thatsache im geringsten Notiz genommen hat.