Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 6 (März 1861)
- Article
- Aus einem Briefwechsel über die Psalmen
- Date
- 1861-03-01
- Page
- 312 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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812 Aus einem Briefwechsel Aufmerksamkeit, so zeigt sich Ihnen sofort ein eigcnthümlicher Gang der Gedanken. Zu Gott gewendet finden wir David im Eingang des Psalms mit der innig dringenden Bitte, Gott möge ihm die Gnade schenke» sein Gebet anzuhören. Statt nun aber zu beten, wendet er sich in den folgenden vier Versen nicht zu Gott, nein, er wendet sich plötzlich zu Menschen, macht ihnen mit einer heftigen Anrede: מי איש u. s. w. Vorwürfe, giebt ihnen Zurechtweisung und Belehrung und dann erst im 7., 8. und 9. Vers hören wir sein Gott zugewandtcs Gebet. Sehen wir uns aber nach dem Gegenstand dieser Vorwürfe und Zurechtweisungen um, so erscheint uns eben das Gebet, Werth und Bedeutung und Kraft des Gebetes dasjenige, worauf sich diese Vorwürfe und Vorstellungen beziehen, und es stellt sich uns der Gedankeugaug im natürlichsten, einheitlichsten Zusammenhänge da. David ist in Noth — בצר — und rüstet sich zum Gebete. Indem er aber beten will lacht seine Umgebung, baß er, statt zu kämpfen, statt sich zum Kampfe zu rüsten und §uf seine Rettung bedacht zu nehmen, die Lächerlichkeit begeht —zu bete»! Er unterbrtchi sich daher im dritten Vers und weist seine Umgebung darüber zu recht und daraufhin, wie sie vielmehr sich in lächerlicher Täuschung bewegen, indem sie Hilfe nur von sich und nicht von Gott erwarten, indem sie völlig vergessen zu haben scheinen, welcher Segen und welche Kraft und welche Sieg gewährende Hilfe das Gebet dem sich Gott hingebcnden bringe. Nach dieser Unterbrechung wendet er sich dann im 7. Verse wieder zu Gott und wir hören ihn beten. Ein Gebet, das sich aufs Innigste den Gedanken anschlicßt, die uns der vorige Psalm in der Seele David lesen ließ. Wir versuchen zu übersetzen: Indem ich rufe antworte mir Gott meiner Gerechtigkeit, Mitten in der Bedrängniß hast du mir Wette geschaffen; Schenke mir die Gnade nun und höre mein Gebet. Menschensöhne! wie lange, soll was meine Ehre ist, zur Schmähung dienend! Ihr liebet Leeres, Täuschung suchet ihr! Und wisset, dass Gott immer ausgezeichnet hat Den, der sich ihm tu Liebe htngab; Gott wird auch hören