Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1861)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1861-02-01
- Page
- 288 (sequence 19)
- Language
- German
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288 Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert, Diese wenigen Punkte, welche man, wie wir glauben, zu sehr außer Augen gelassen hat, werden auch wohl den, der sich noch nicht von den mittelalterlichen Wahngeburtcn trennen kann, von der Nichtigkeit und lächerlichen Abgeschmacktheit der auch in diesen Protokvllen hervortretenden Beschuldigungen und vermeintlichen Beweisen überzeugen. Dies vernichtende Urtheil, das wir über die Protokolle als Beweismittel für das Verbrechen der Juden fällen mußjen, nimmt dem Vorgänge an si ch jedoch nichts von der hohen Bedeutung, die wir ihm oben zugeschrieben haben. In dem Judenverhöre vor dem Blutgerichte zu Chillon und Castell im September und Oktober 1348 erblicken wir den ersten Kern und Ausgangspunkt für alle weitere Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert, dessen Bedeutung noch dadurch gewinnt, daß hierdurch allen ferneren Gräueln gleichsam der Stempel der Legalität aufgedrückt wurde — wie wir das bereits oben weiter erörtert. Die allernächste Verbreitung der Verfolgung auf die ganze Umgebung des Genfersees und' die ganze Landschaft Savoyen ist in dem Geleitschreiben des Kastellans in lebhaften Zügen geschildert. Wir sehen wie in fast all' den Orten die in den Verhandlungen erwähnt sind, die Juden mit Feuer und Schwert vertilgt werden, wie z. B. die gesummte jüdische Bevölkerung von Neustadt in Rauch ausgeht und wie sich der Tumult über immer weitere Kreise erstreckt. Commissäre werden überall hinausgesandt um die Strafgerichte an den ״selbstbeschwornen" Verbrechen zu vollziehen. ״Artikel" gegen das ״gantze Judenthum" und gegen die Juden selbst werden vorbereitet, um über weite, weite Strecken hin die Scheiterhaufen anzuzünden. Die Verfolgungen in der Schweiz haben wir bereits in ihren Hauptzügen behandelt. Im weitern Verfolge, wo wir die Ausbreitung dieser schrecklichen Vorgänge auf die übrigen Länder, ebenfalls nach den Quellen zu schildern gedenken, werden wir immer wieder auf dieses Blutgertcht zurückkommen. 38) Wir hätten vielleicht noch die Verfolgung in Zovtngen zu erwähnen, die sich sunmitteldar einer in Bern anschloß, und auch von größerer Ausdehnung gewesen zu ein scheint- S. auch Königshoven l. c. p. 293.