Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1861)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1861-02-01
- Page
- 287 (sequence 18)
- Language
- German
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von Dr. M. Ralph. 287 schon dem sinnlichen unbewaffneten Aüge, daß wir nirgends so mit vollem Fug und Recht wie hier die Entstehung des ״schwarzen Todes" auf tellürischatmosphärische Einflüsse zurückzuführcn berechtigt sind. 4) Machten wir bereits oben darauf aufmerksam, daß wo es sich um einen thatsächlichen Beweis gegen die Juden handelte, es ja etwas unendlich leichtes war ein Stück Papier oder Leinen re. bei einem Brunnen aufzufinden oder hinznlegen, wie ja auch Ehrtsten, nach dem Berichte Heckers selbst gestanden, daß sie solche vorpora delicti an die bewußten Stellen gelegt. 5) Stellen wir die Behauptung auf: daß kein einziger bewiesener Fall im Verlaufe des ganzen Mittelalters vorliegt, daß auch nur ein Christ von Juden heimlich aus Reltgionshaß ermordet wurde. Zu zeigen was der mittelalterlichen Justiz übrigens alles als Beweis galt, dafür erlauben wir uns nur, nachstehenden Falles kurz zu erwähnen. Zu Diessenhosen in der Schweiz wurde am St. Johann des Täufers Tag ein Reitknecht Zan in dem Momente ertappt, wie er einen Christenknaben ermordete. Um sich zu retten, beschuldigte er einen Juden Michels, derselbe habe ihm 3 Gulden für das Blut eines Christenknaben versprachen. Der Knecht kommt auf's Rad. Der Jude wird auf die Aussage des beim Mord Ertappten am Abend desselben Tages verbrannt^). 6) Setzen wir jedoch für einen Augenblick den Fall — dem freilich eine ganze zweitausendjährige Geschichte, die offen daliegt, ins Angesicht schlägt — es habe je im Herzen bes jüdischen Volkes der Gedanke an eine Vernichtung der Christen Platz gegriffen, so hätten sie ja zur Zeit des ״schwarzen Todes" — den wir, wie wir oben (Nr. 2) sahen, unmöglich ihnen zuschreibcn könneu-wo es ja so schon schien als ob die ganzeMenschheit,und somttauch diechristliche Welt aussterben würde, ganz gemüthltch zuschauen können, und wäre es die größte Lächerlichkeit gewesen, wenn sie da auch nur die Hand geregt, wo die Natur ja in so gräßlicher Weise für ihre — vermeintlichen — Pläne thätig war. 37) Tschudi l. c. p- 610.