Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1861)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1861-02-01
- Page
- 289 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2932891-2932897-2945510--06313-2945595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von Dr. M. Ralph. 289 Noch steht baS alte Schloß Chillon am Genfersee, noch brechen sich die Wogen an seinem alten Gemäuer, die einst die Todcsseufzer unglücklicher Ahnen hinübertrngen an das jenseitige Ufer — auch da lächelte ihnen nicht das Bild der Freiheit— wo hatte der Jude in diesen düstergrausen Zeiten einen Fleck auf weitem Erdenrunde, an den er sich vertrauungsvoll anlehnen dürfte! — Denkt wohl der fröhliche Tourist auf diesem herrlichen Stückchen Erde, das in Paradiesischem Glanze sich vor ihm entrollt, daß jeder Flecken Bodens mit dem Blute schuldlos Gemordeter gedüngt, daß der wolkenlose Himmel, der sich diamantenklar über ihm wölbt einst verfinstert war von dem Rauche brennender Judenleiber, daß die Luft, die froh ihm die Brust schwellt, einst wiederhallte von Jammertvnen und Klagelauten —? Ueber dem Blute ist längst üppig das Gras gewachsen — der Himmel leuchtet wieder klar und hell — die Seufzer sind längst verhallt-Aber die Geschichte flicht jeden Blutstropfen, flicht jeden Seufzer ein in ihr Protokoll — und das Urthcil spricht einsi der, — der in Blutes- und Seufzergeleisen die Weltenbahnen zum lichtvollen Ziele der Zukunft lenkt! — —