Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1861)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1861-02-01
- Page
- 285 (sequence 16)
- Language
- German
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VZN Dr. M. Ralph. 285 aus dem ewigen Geistesschatze, der allein ein Volk auch solche mitternächtliche Jahrhunderte überwinden ließ. Wir sehen sie dann, unter den furchtbarsten Anklagen, wehrlos wie das Lamm dem gierigen Wolfe preiögegeben, und ein Elend über sie Hereinbrechen, das beispiellos dasteht in der Geschichte. Wir haben diesen Aktenstücken, deren hohen historischen Werth und culturhistorische Bedeutung wir schon oben andeuteten, nur weniges noch hinzuzufügen. Tritt doch ihre ganze N.i chtigkcit als Beweisstücke für das den Juden angedichtete Verbrechen so klar und deutlich zu Tage, daß wir dem Leser zu nahe zu treten fürchten müssen, unternehmen wir es dem heuchlerischen Lügengewebe überall zu folgen, das so offen in ihnen darliegt. Auf einzelne Punkte — und wir hätten sie gerne noch um eine Unzahl vermehren könnnen, — die am schärfsten zeigen, wie lächerlich plump hier Widerspruch an Widerspruch, und der abentheuerlichste Unsinn sich an die heuchlerischste Perfidie reiht, haben wir unS bereits erlaubt in kurzen Bemerkungen zu dm betreffenden Stellen der Protokolle selbst, hinzuweisen. Wir mochten nur noch einige wenige Momente hervorhcben, die wir sowohl bet Beurtheilung dieser Protokolle, als auch der damaligen Beschuldigungen gegen die Juden überhaupt, im Auge zu behalten bitten: 1) Müssen wir uns immer vergegenwärtigen, daß alle obige (und auch sonstige) Aussagen unter den! Einflüsse der Tortur erlangt sind. Ueberall wird angeführt, daß man die unglücklichen Schlachtopfer ״ein wenig uff die Folter gezogen", oder wie die Heukerausdrücke sonst lauten. Und jemand, den man so martert, wie es bet den Gertchtsprozeduren in diesen düstern Zeiten der Fall war, — wir enthalten uns aus Schonung für die Leser jeder Schilderung des Verfahrens — sagt am Ende, vom Schmerz überwältigt und gebrochen, Alles aus, was die Henker von ihm heraushaben wollen. Ein mit der Tortur behandelter bekennt sich zu Allem schuldig — man martert ja eben so lange bis er das ihm angedtchtete Verbrechen etngcsteht — nennt, wenn man ihm droht ״Gestehe ein, daß N. N. dein Mitschuldiger ist" und wenn er leugnet ihn von Neuem auf die Folter spannt, Mitschuldige, die er vielleicht nie gekannt, beschreibt ganz genau die Große, Farbe re. von Dingen, die er nie gesehen und die gar nicht existiren. Za zuletzt schwört 20*