Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1861)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1861-02-01
- Page
- 284 (sequence 15)
- Language
- German
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284 Da» JndenverhLr zu Chlllvn und Castell u. Gisst, so sie gelegt, von den Juden empfangen, dieser Christen seyn etliche gcvicrtheilt, etliche geschunden und auffgehenckt worden^J. Vnd sind gewisse Co mm iss arten von der Herrschaft verordnet, die Zuden adzustraffen, von denen ich glaube, daß keiner überbleiben wird. Solt auch wissen, daßArtickel auffgesetzt sind, über dieser Nnihat, wider das gautze Judenthum, darüber viel glaubwürdige Personen examinirt werden, wegen solcher von den Zuden unternommener Vergifftuug, und über denen wieder die Inden sich ereignenden indicicn und Anzeigungen, So euch aber nicht mitgeschickt wird, weil es noch nicht vollendet ist. Soweit der würdige Kastellan von Chiliion. Hätten wir ein treueres, lebendigeres Bild von der jammervollen Lage unsrer Vorfahren in diesen Zeiten entwerfen können, als er cs in diesen Protokollen unbewußt gethan? Wir werfen nur einen Blick hinein und wir sehen sie, mitten in ihrem so schon kümmerlichen Dasein, von Dorf zu Dorf unstätwandernd um ihr Leben zu srisien, und sich trotzdem stille Kreise der Häuslichkeit schaffend, ihres Geisteslebens treu pflegen und warten. Wirsehen die ״Lehrer, deSGesctzes" die ״fahrendenMeister" vonOrt zu Ort gehen und die Eltern ihre Söhne ihnen ״ins Haus" geben, damitsie dort ״lernen"^) 34) Wie Christen zu dieser Ehre kamen mit den Juden gehenkt geviertheilt und geschunden zu werden — von den Juden heißt cs freilich gewöhnlich, daß sie verbrannt wurden, es ist daS der Ketzertod A «17' ij-oyjqv — ist nicht recht klar. Daß einer der Angeklagten Juden einen Christen als Mitschuldigen angegeben, ist in obigen Protokollen nicht enthalten. Vielleicht gewährten sie — wie Hecker meint — ihnen aus Mitleid oder Eigeuuutz Schutz und mußten dann dafür büßend — UnS erscheint es nicht unerklärlich, daß die fanatische Wuth, die nun einmal ihre Opfer forderte, sich auch in einzelnen Fällen an Christen vergreist und diese dann durch dieselben Marter, wie die Juden, zu den abentheuerlichsten Bekenntnissen von Rechtswegen brachte, welchen natürlich die Juden wiederum zum Sündenbock dienten. Es ist dies nur ein Zug aus dem vielen eulturhistorisch Interessanten in jenen Aktenstücken, auf welches näher einzugehen hier natürlich nicht der Ort ist;