Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1861)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1861-02-01
- Page
- 278 (sequence 9)
- Language
- German
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278 Das Judenverhör von Chillon und Castel re. streuet hätte in den Brunnen O-relt de Roch. Der beschuldigte Aqnet ist vor zwei ComMissarien gebracht worden, und hat in Gegenwart des Beschuldigers Agueti verneint, daß obbesagtes wahr sei, dieser aber hat jenem geantwortet, daß er dieses gehört, und er nicht lüge. Wer in dem hat jener dennoch gestanden, daß das obige wahr sey, und er den Gisst in bcnanten Brunnen gestreuet, damit, die Lenthe die Wasser daraus hohleten, stürben, und daß hätte er seinem Vater gemeldet^). Befragt, ob sein Vater (ist der Mann der Belicta) und andere Juden der Neustadt von diescm Giffthandel Wissenschaft trügend Sagt, er glaubewol, weil die grossen Juden immer unter sich Rath gehalten haben vor dem Oberthore zu Neustadt, und die kleinen Juden hatten ebenmessig Rath gehalten. Und dieses hat er bekannt ausser") der Peinlichlichkeit, sagende, daß solch Gisst sey grün und schwartz gewesen, und das hat er bei seinem Gesetze bejahet, uud bey allem dem was in den fünff Büchern Moses enthalten, daß es wahr sey, Sagt bey seiner Seele,!, daß die Juden den Tod wol verdient, und daß er nicht begehrte darvon zu kommen, sondern sterben, denn er den Tod wol verdient. Im Jahre 1348 am Frehtage, war der 10. Tag des Monats Octobrts ,zu Ch astel auff dem Schlosse daselbst folgt die inqnisitloQ, die da geschieht und da geschehen ist aus Befehl der Negierung des Durchlauchtigen Fürstcns unsers Herrn Am ad ei Grafens zu Savoyen und seiner Vnter- Daß am 15. Seht, der unglückliche Vater — Vanditon— der übrigens seine Strafe schon erlitten, auSgesagt, er habe das in den genannten Brunnen gelegt, ,hindert diese Mordjustiz nicht auch den Sohn, wegen desselben angcdichteten Perbrechcns, das nun an Stelle des Vaters ihm zugeschricbc» war mit hinzurichten.. 'Doch wozu 4־) armer ״kleiner Jüd" der du »ebenmäßig" mit Rath gehalten, du sollst das ״außer" der Peinlichkeit gestanden haben und oben steht, daß du »ein wenig a1t die Folter gelegt" seiest? Aber wahrscheinlich hast du das schon verschmerzt. Du ,mußt ja auch deinen eigenen Vater,dem Tode überliefern! Dafür begehrst;bu auch nicht ״davon zu kommen", denn du hast ״den Tod wohl verdient." Liegt in diesen einfachen rührenden Dulderworten nicht das ganze,herzzerreißende Elend der Zeit?!