Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1861)
- Article
- Ein Sendschreiben [Rezension]
- Date
- 1861-01-01
- Page
- 208 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2932891-2932896-2945420--06205-2945470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
208 Hrnvr. Z. Frankels hodogetisches Werk über die Mtschna re. Sadducäer spreche, die die sinattische Tradition der Gesetzerläuterung j verwerfen und sich bet ihren Gesetzerklärungen nur aus ihre Einsicht j und Ansicht stützen, und diese Ein- und Ansicht spricht allerdings j völlig dafür, daß, wenn das Gesetz schon die Todesstrafe j über Zeugen verhängt, die durch ihr falsches Zeugnis bereits ein j Todes u rth eil über den Angeklagten herbeigeführt, obgleich das Urj theil noch nicht vollstreckt worden, man unmöglich sagen könne, daß, | wenn dieses Urtheil nun bereits wirklich vollzogen und sie somit nicht j nur dteVerurthetlung, sondern die Hinrichtung, den Tod des Un- | schuldigen herbeigeführt,chaß dann die Zeugen frei ausgehen sollen!! Es giebt da keinen andern Weg als zuzugestehen, daß unsere Chachamtm hier einer, eben so wie der Text aus Gottes Mund vom Sinai stammenden Tradition gefolgt sein müssen. Denn ohne solche i vom Gesetzgeber selbst stammende Gesetzerläuterung, lediglich auf Grund des Textes, hätte man sich wahrlich nicht "״במועצות ורעת zu einer solchen Gesetzesdefinttion vereinigen können. Denn aus dem Texte erzieht sich nur, daß, selbst wenn das Urtheil nur gefällt und nicht vollzogen, die durch Mbt falsch befundenen Zeugen dennoch hingericht werden; keineswegs aber, daß sie frei sein sollen wenn sich ihr Alibi erst nach vollzogener Hinrichtung herausstellt. Vielmehr spricht der einfache Syllogismus des Verstandes gegen eine solche Annahme und so auch die Worte des Textes: Leben für Lehen, נפש בנפש• Text und Verstand sprechen für die sadducätsche Behauptung; auch j das "״לאחיו entscheidet nichts; denn auch nach dem Tode heißt der; Verstorbene אחיו, wie "קרבו שאו את אחיכם ״להקים לאחיו שם, (Stehe ריטבא, Mackoth 5), und es kann nur eine vom Sinai stammende Tradition erklärt haben, daß das "״נפש בנפש an dieser Stelle nur . ■ Verurthetlung fordere, und das לאחיו daraus Hinweisen solle, daß der Verklagte noch nicht hingerichtet sein dürfe; die Quelle der Halacha ist aber kein menschliches Gedankenprodukt, sondern Ausspruch? des allmächtigen Gottes. So ließe sich noch aus einer Masse von Beispielen Nachweisen, wie schon der sachliche Inhalt der Tradition und dessen Verhältniß zum Texte der Annahme allen wissenschaftlichen Boden versagt, als seien die traditionellen Gesetzerläuterung nichts als Ergebnisse einer aus dem ן Texte schöpfenden, menschlichen Gedankenoperation, und wie schon der j sachliche Inhalt der Tradition und dessen Verhältniß zum Texte auf