Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1860)
- Article
- Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
- Date
- 1860-12-01
- Page
- 174 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Kleine Bilder suS der jüdischen Gegenwart. sie thut sich nicht wenig darauf zu Gute, eine Dame von so star- A kein, freiem Geiste zu sein. '! Man hatte an der" Tafel Platz genommen und die Heiden Be-! dienten waren noch mit dem Serviren der ersten Schüssel beschäftigt, als Frau Cohn von ihrem Platze aufstand und ausrief ״meine Damen wir sind zu dreizehn I" j ״Nun, was macht das aus?" frug ihre Nachbarin. i ״Nein, das geht nicht," erwiederte Frau Cohn. ״Ich meines j Theils setze mich nicht zu Dreizehn zur Tafel. Ich habe mehr als j ein Mal traurige Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht." j ״Wie kann man aber so abergläubisch sein," meinte Frau Dr. \ Wall, ״und besonders Sie, liebe Frau Cohn, als eine so gebildete aufgeklärte Frau?"! ״Ich kann Ihnen auf das Bestimmteste versichern, daß schon! viel Unglück aus der^ominösen Zahl dreizehn entstanden ist, entgegnete diese. Es gibt gewisse Kräfte, Erscheinungen in derNatnr, die sich an gewisse Formen, Farben, Richtungen und Zahlen knüpfen, worüber die Wissenschaft noch nicht ganz im Klaren ist. Freiherr!1 von Reichenbach in Wien hat erst vor einigen Jahren eine bis jetzt ganz unbeachiete Kraft erklärt, das Od, und aus Amerika sind uns Beobachtungen über das elektrische Fluidum der menschlichen Finger u zugekommen —kurz, es giebt Dinge, wie Hamlet sagt, von denen eine gewöhnliche Schulweisheit sich freilich Nichts träumen läßt." ״Nein, an dergleichen glaube ich nicht," warf eine andere Dame ein. ״Ttschrücken und Klopfgeister mögen nur ruhig-in Amerika bleiben, bet mir, in meinem Hause finden sie keine Aufnahme." ״Dann glauben Sie wohl auch noch," sagte Frau Dr. Wall, ״an die üble Bedeutung des Montags?" ״Man hat es sehr leicht zu sagen: ich glaube nicht daran," i nahm Frau Cohn etwas gereizt das״ Wort, ״aber das ist im höchsten j Grade unwissenschaftlich. Ich könnte Ihnen über den thierischen Magnettsmus und dergleichen durch die Wissenschaft festgestellte Thatj fachen mitthetlen, die sie in Erstaunen setzen würden. Indessen ist hier nicht der Ort dazu, Vorlesungen zu halten. Ich behaupte aber daß ich aus eigener Erfahrung weiß, daß schon manches Malheur! durch leichtfertiges Jgnoriren solcher Bedenken sich ereignet hat. | Haben Sie gewußt, daß dem kürzlich verstorbenen Kapellmeister vor *??