Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1860)
- Article
- Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
- Date
- 1860-12-01
- Page
- 173 (sequence 3)
- Language
- German
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ff Eine Aufgeklärte. 173 der beschnitten und tu der jüdischen Religion unterrichtet werden? Das führt sicherlich zu Reibungen zwischen den Eheleuten und daraus kann nichts Gutes werden." ״Ich muß trotzdem bei meiner Ansicht beharren, entgegnete Frau Cohn. Die Unterschiede zwischen Juden und Christen müssen immer mehr verwischt werden und die Mischehe ist eines der geeignetsten Mittel hierzu. Ich bitte Sie, was sollen uns noch diese Formen, die für das Mittelalter vielleicht paßten? Wir bewegen uns in einem freien Jahrhundert und nicht mit Unrecht heißt unser Zeitalter das gebilbete, aufgeklärte. Die Meuschen sind alle gleich und die Religion ist, wie Frau Commerzienrath richtig bemerkten, nur gut für die Kinder. Wir aber sollten die Kinderschuhe des Aberglaubens und der Unbildung längst ausgetreten haben. Die Naturwissenschaften haben nicht umsonst so ungeheure Fortschritte gemacht. Lesen sie doch ein Mal die neueste Nummer des naturwissenschaftlichen Magazins; namentlich den Aufsatz: die Entwickelung des menschlichen Gehirns." Der hereintretende Diener unterbrach das Gespräch mit dee Meldung, daß im Salon bereits angerichtet fei und die Damen begaben sich dorthin. Frau Cohn ist eine ״gelehrte" Dame. Als Tochter eines jüdischen Arztes, in dessen Hause viele Schriftsteller und Gelehrte verkehrten, hat sich ihr Sinn frühzeitig auf wissenschaftliche Gegenstände gerichtet. Eine sogenannte aufgeklärte Bildung, die im väterlichen Hanse herrschte, ließ sie eines ernsteren religiösen Unterrichts entbehren, dagegen füllte sich ihr Kops durch eine wahre Sucht zur Lektüre mit allerlei Systemen und gelehrten Fragen, die völlig ungeordnet und theilwcise unverstanden, sie zu Ansichten und Pcincipien führte», die dem weiblichen Geschlechte eine so unnatürliche, scheinbare Geistesstärke verleihen, welche statt anzuziehen, das Gefühl verletzt und abstößt. Sie hat in letzter Zeit namentlich den Naturwissenschaften ihre Muße gewidmet und in dem durch Voigt und Wagners Disput hcrausgekehrten Streit zwischen Forschung und Glauben eifrig für des Erster» Ansicht Partei genommen, ja sich sogar im naturwissenschaftlichen Magazin als Schriftstellerin versucht: Ihre Stellung als Frau eines reichen Großhändlers gestattet ihr sich dieser Lieblingsbeschäftigung ungestört hinzugebeu und