Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1860)
- Article
- Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
- Date
- 1860-12-01
- Page
- 172 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart. nimmermehr. Es ist nicht Haß und Vornrtheil etwa, die mich beß wegen, dir deine Bitte abznschlagen; es ist das Bewußtsein von der j hohem Bedeutung der Ehe, das mich so hart erscheinen läßt. Du j denkst nur an den Augenblick, wein Sohn, ich sehe weiter. Was soll j dein Haus sein, ein jüdisches oder ein christliches? Wenn Mann j und Frau nicht übereinstimmen können, wie soll da auf die Dauer! Glück und Frieden weilen? Was soll deine Frau von einem Jom Kippur und was kannst du von dem Abendmahle denken? Und wenn nun der Kindersegen kommt; hier Taufe, dort Beschneidung; hier Katechismus dort Thora." Das waren seine Wor!e und dabet ist! es geblieben." ״Nun, meine Liebe," nahm Frau Cohn das Wort, ״das ist mit ihrer Erlaubniß, doch eine Lächerlichkeit. In unserer gebildeten z Zeit sind dergleichen Rücksichten wahrhaftig unpassend. Das war gut i für unsere Urgroßväter. Wir sollten doch wirklich solche beinahe abergläubischen Vorurtheile nicht mehr hegen." ״Ich weiß nicht," entgegnete Frau Dr. Wall, ״ob man die Abneigung der Eltern gegen diese Heirath so ohne Weiteres ein abergläubisches Vorurthell nennen darf. Es sind doch so manche j Gründe, die gegen eine derartige Verbindung sprechen. Ich muß! gestehen, ich würde mich auch schwer dazu verstehen können, eine Christin als Schwiegertochter mir zuführen zu lassen. j ״Ja da muß ich der Frau Dr. Wall betpflichten," siel die Dame des Hauses ein, Mühlbergs sowohl wie wir können doch gerade nicht zu den Orthodoxen gezählt werden; aber es gibt eine Grenze über die man nicht hinaus darf. Wenn wir uns auch über so manches hinwegsetzen, was bet unseren Eltern streng gehalten ist; — Juden bleiben wir doch immerund der Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden ist doch in der Lebensanschauung ein zu bedeutender, als daß eine glückliche Ehe aus einer solchen Verbindung zu erwarten wäre." ״Was soll aus den Kindern werden?" fügte Frau Commerzienrath Rosenkranz hinzu. ״Für die Kinderziehung ist Religion doch nothwendig. Wird nun der Vater, der die jüdischen Gesetze freilich nicht streng beobachtet, der aber an die christliche Religion doch nicht glauben kann, zugeben, daß seine Kinder getauft und confirmirt Werden; — oder wird die Mutter es dulden können, daß ihre Kin- }׳