Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 2 (November 1860)
- Article
- Entgegnung auf ein Gutachten von Hirsch B. Fassel, Oberrabbiner zu Gr. Kanischa
- Date
- 1860-11-01
- Page
- 123 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932891-2932894-2945246--06080-2945310- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
123 von Dr. I. Gugenhetmer baten, gar einen Entschuldigungsgruud als notwendig hält. Schon aus dem auch von der hier geübten Eensur noch nicht gestrichenen, sondern vollständig beibehalteneu Gebete אב הרחמים geht mit der größten Deutlichkeit hervor, daß der in der Bitte Nekom leenenu liegende Gedanke nicht ein von dem Verfasser jenes Gebetes zum erstenmal ausgesprochener, nicht ein erst durch Leiden entstandener Wunsch ist. Denn in dem Gebete אב הרחמים wird ja auf die Grundlage jener Bitte ausdrücklich hingewiesen: ינקום לעינינו נקמת דם עבדיו השפך ככתוב בתורת משה אישהאלקיהרנינוגויםעמו כי דם עבריו יקום ונקם ישיב לצריו• Wenn wir daher den Ewigen um die Rächung des unschuldig vergossenen Blutes Seiner Diener anstehen, so sollen wir eben bei dieser Bitte uns selbst zu Bewußtsein führen daß die Rächung, auf die wir hoffen, nicht mit einem Rachegefühle in Verbindung steht, dessen Keim in einem menschlichen Herzen liegt, sondern nichs andres als das Sichtbarwerden einer Gerechtigkeit ist, die Gott selbst versprechen; daß die Bitte um נקמת דם עבדיו nicht als ein in uns entstandener Wunsch, sondern als die Reproduktion der an uns ergangenen göttlichen Verheißung zu betrachten ist. Der Jude ist daher weit entfernt, mit jener Bitte seinem gepreßten Herzen Luft machen zu wvllen, ein in seinem Innern entstandenes Gefühl zu äußern; sondern er stehtmitjcncr Bitte aus'dem Boden der göttlichen Offenbarung, auf dem Boden der göttlichen Verheißung, deren Erfüllung so lange er an Offenbarung glaubt, ohne Rücksicht aus äußere Verhältnisse sein wichtigstes Anliegen bilden muß; und in jenem Citireu der betreffenden Thorastelle, in jener ausdrücklichen Bezugnahme aus die Offenbarung, eben in dem Worte ככתוב בתורת משה liegt auch der deutlichste Beweis daß wir, wie wir um die Rächung des unschuldig vergossenen Blutes der Gottesdiener nur darnm bitten, weil sie Gott verheißen, dieselbe auch nur so verlangen, wie sie Gott verheißen. Daß aber durch die 5. B. M. 32, 43 verheißene Rächung keines- Wegs eine Böses mit Bösem vergeltende Rache gemeint sein kann, geht schon daraus hervor, daß sich dort das Wort נקם aus Gott J bezieht; wer daher in jener Bitte eine unsittliche Rache erblickt, der ■ muß auch in dieser Verheißung einen Widerspruch mit der Voll- ן kommenheit Gottes erblicken. Aus Onkelos' Uebertragung ist s aber klar ersichtlich, daß das Wort נקם in der Thora keines- | Wegs blos Rache im gewöhnlichen Sinne bezeichnet, sondern eine