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Jeschurun · 1860-11-01 · Heft 2 (November 1860) · p. 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 2 (November 1860)
Article
Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
Date
1860-11-01
Page
105 (sequence 10)
Language
German
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von vr. M. Ralph. 10S auf Drängen der Bürgerschaft das Versprechen geben, innerhalb 200 Jahre keine Juden wieder in die Stadt anfzunehmen. 26) Aehnlich erging es in Zürich. Hier sollen sic außerdem, den 4jährtgen Sohn eines Schuhmachers gestohlen haben. Ein anderer Knabe — Walthcr von Wyl — ging am andern Tag auf Stelzen durch einen Bach zu Neumarkt und sah einen Schuh und den Schenkel des Kindes aus dem Wasser hervorragen ״nnd wie man sie marterte, bekannten sie den Mord" 27) Am folgenden Tag beschäftigte sich Ciprellen auch nicht in der liebenswürdigsten Weise mit seinen Juden. Dann kam Costniz (Constanz) an die Reihe. Hier zündete ein getaufter Jude — auch bei diesen frühem Verfolgungen stellte man schon das Taufbecken neben den lodernden Scheiterhaufen — während des Mordens sein eignes Haus an und schrie: er wolle als frommer Jude sterben. Die rauchenden Trümmer von 40 Häusern trugen diesen Racheschrei der Verzweiflung vor den Thron des Weltenrichtcrs. 28) Dies rächende Beispiel fand Nachahmung. Kurz darauf zündete in der Nähe der Stadt ein anderer Jude ebenfalls sein Haus an und legte damit ein ganzes Dorf in Asche. Daß dadurch das Morden und Schlachten wieder von vorne anging ist unschwer zu errathen"). Den ganzen Jammer der Zeit aber enthüllt der haarsträubende Vorgang zu Eßlingen, wo eine ganze Gemeinde, Mann und Weib, Kind und Greis, in wilder Angst der Verzwetflung sich selbst in ihrer Synagoge verbrannten 30) nnr um nicht der blutdürstigen Gier fanatischer Mitmenschen in die Hände zu fallen — und vielleicht, um makellos rein, nicht mit der Lüge des Abfalls im Gewissen, als Ankläger da oben zu erscheinen — — 88) Königshofen, die älteste teutsche re. Chronik v- Straßburg und Elsaß ed. Schilter 1698 p. 293. Kön. selbst ist Zeitgenosse dieser Ereignisse; erlebte wenigstens in der zweiten Hälfte der 14. Jahrhunderts in Straßburg. 37 uud 28) S. Tschudt l. c- 378 bei einer späteren Berfolgung in Zürich — am 6. August 1401 — warf man sie allesammt ins Gefängniß. Das Volk d. h. die Bürgerschaft verlangte stürmisch ihre Bestrafung resp. Hinrichtung. Der Rath nahm fich ihrer jedoch wacker an, und so wurden sie denn nach Erlegung von 1500 fi. — lebendig — aus der Stadt getrieben. S. Tschudi l. c. p. 610. so) Spangenberg l. c. p. 336b. 30) Tschudt l. c. P- 378.

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