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Jeschurun · 1860-11-01 · Heft 2 (November 1860) · p. 106

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Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 2 (November 1860)
Article
Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
Date
1860-11-01
Page
106 (sequence 11)
Language
German
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106 Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert, So erstreckten sich die Verfolgungen über die ganze Schweiz, überall wurde gerädert, gebrannt uttb gemordet nach Herzenslust, daß sich die Heiligen im Himmel darob freuen dursten; war es ja nur ein ״ungläubiges verstocktes Volk", das selbst die Taufe 81) nicht vor der ״unendlichen" Liebe einer Religion schützte, deren Liebe kein Ende — weil sie eben keinen Anfang hatte. Noch im Jahre 1401 verbrannte man zu Schaffhausen, unter ähnlichen Anschuldigungen, 19 Juden am Samstag nach ״St. Johann Töffers" Tag. Den Abend des eben genannten heiligen Tages beschloß man zu Dtessenhvsen in würdiger Weise ebenfalls mit dem Brande, freilich ׳nur eines einzigen Abrahamssohnes; dafür hätte» aber kurz darauf, als man zu Schaffhausen die 19 Juden ״geburnt" hatte, bei gerade vorhandener Sonnenfinsterniß — die andern 19 Juden eine paffende Tagesbleuchtung abgeben können, die man zu Wtntertur mit dem chemischen Prozesse der Verbrennung ad hominem bekannt machte. — Nicht wahr? es war doch gar ein lustig' Leben in der ״guten alten Zeit"?? — Diesen Massenverfolgungen der Juden in der Schweiz, die mit dem Jahr 1349 in der eben geschilderten Weise ihren Anfang nahmen, ging jedoch schon 1348 ein Vorgang von so hohem Intercsse voraus, daß wir ihn etwas ausführlicher betrachten müssen. In ihm finden wir nämlich nachweisbar den allerersten Ausgangspunkt aller Verfolgungen die sich später über ganz Deutschland, Frankreich und Italien erstreckten; in ihm suchte man all diesen Gräuelthaten von vorn herein den Stempel der Legalität auszudrücken, so daß, was jedem unbefangenen Beobachter als wahnsinnige Verfolgungösucht einer von den eignen Leidenschaften und von den Pfaffen irregeleiteten Volksmenge, dasteht, als aus dem heiligen Boden des Rechtes basirend erscheinen sollte — es ist der Tribut, den unbewußt das Laster der Tugend zollt- Wir meinen die bl) Fast alle diejenigen, die durch die Taufe ihr Leben zu retien wähnten, kamen, nach Angabe der meisten Schriftsteller, bet späteren Verfolgungen doch ums Leben. Wo der Neligivnöhaß aufhkrte, trat Raubgier an seine Stelle, die überall in der furchtbarsten Weise zu Tage trat. 32) lieber die letzten drei Angaben s. Tschudi p. 610. Auf den interessanten Vorgang zu Dieffenhofen werden wir später zurückkommen.

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