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Jeschurun · 1860-11-01 · Heft 2 (November 1860) · p. 104

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Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 2 (November 1860)
Article
Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
Date
1860-11-01
Page
104 (sequence 9)
Language
German
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104 Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert, Complott") über die ganze Erde gegen die Christenheit geschmiedet, und wo der Ruf ״die Juden haben die Brunnen vergiftet" das Signal zu Schandthaten gab, deren Sühne die europäische Menschheit bis auf den heutigen Tag der Weltgerechtigkeit noch schuldet. Bon den Städten eröffnete Basel den Reigen. Hier fiel man zur Verherrlichung des St. Morten,(?) Tages über die Juden her, sperrte sie allesammt in die Synagoge 2«) und steckte diese dann in Brand; nach einem andern Berichte 21) trieb man so vieler man habhaft werden konnte in ein neugebautes Haus auf einer benachbarten Insel im Rhein und ließ sie da gemüthltch in Rauch anfgehen. Daß nach einer dritten Version 22) der ״Pöbel" ein eigenes Faß zu dieser Prozedur znrechtzimmerte hat für das Endresultat keinen Einfluß. Nur möchten wir behaupten, daß sich unter dem sog. ״Pöbel" jedenfalls — wie das wohl überall bei den Massakrirungen der Juden der Fall war, — und ist — auch der ״h 5 - Here" Pöbel d. i. Edelleute^) cm diesem gottgefälligen Werke mit betheiligten. Schon Tschudi 24) berichtet, daß kurz zuvor — die Greuelthat geschah im Januar 1349 — einige Edelleute ״der Juden wegen vertrieben" worden waren, — wahrscheinlich waren bedeutender Schulden halber ihre Güter den Jude» verfallen und mußten nun diese edlen. Cavaliere die Stadt verlassen — und daß man um so mehr diese passende Gelegenheit ergriff seine Rache an ihnen auszulassen. Nicht zufrieden mit diesen Gräueln an Lebenden, riß man die Grabsteine von den Gräbern der Heimgegangenen und belegte die Stadtmauern mit ihnen; hebräische Inschriften die man noch später auf den Steinen fand zeugen von diesem Frevel *®). Dann mußte der Rath — der sich anfangs der Juden annahm — 19) Vergl. hierüber sowie über die verschiedenen Beschuldigungen die Gerichts- Protokolle von Chillon und Chastel w. u. 20) F., Faber bei Jseltn |u Tschudi l. c. p. 377. 21) Alb. Arg. p. 148. 32) 3׳ I- Hottinger Helv. Kirchengeschtchte lib. V p. 167 bei Jost Geschichte rc. 23) und Pfaffen, welche beiden Stände auch jetzt noch das Contingent zu dem ״höhern" Pöbel liefern. 24) I. z. p. 377. 2*)ASturnpf, Chronik re. I iS e. 18.

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