Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 2 (November 1860)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1860-11-01
- Page
- 103 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932891-2932894-2945245--06059-2945290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von vr. M. Ralph. 103 Damit war jedoch der Gerechtigkeit noch nicht Genüge geleistet und so erschlug man noch außerdem eine große Anzahl. ״Die Schuldigen so den Mord bekennt, hat man vorhin gertcht" — zuvor, d. h. vor der Verbrennung der 300, und müffen diese also noch Hinzugezählt werden. Dies geschah am 1. März 1332 "). Der Knecht, der sich durch die Beschuldigung der Juden zu retten glaubte, ging doch nicht leer aus; er scheint jedoch mit einer gelinderen Strafe davongekommen zu sein; ihn ״soll der Teufel erstickt haben." ") Zu Costenz (Constanz) ״wurdend" — 1333 — ״der Juden 9 erschlagen 12 verbrannt und 6 ertränket; von etwas Trotzes wegen, so sie erzeigt hattend." ") Aber alle diese Verfolgungen — es sind das wohl nur die bedeutenderen, die deshalb auch verzeichnet wurden — sollten nur das Vorspiel zu den blutigen Verhängnissen sein, die mit dem Auftreten des ״schwarzen Todes" über die unglücklichen Juden der Schweiz hercinbrachen. Auch in dieses herrliche Gebirgland war die Seuche gedrungen, und forderte unerbittlich ihre Opfer. In Basel allein starben an 14,000 Menschen"); in Bern wurden täglich an 60 Personeu hingerafft 18); das Elend war wett und breit ein ungeheures. Nichts jedoch kommt dem jammervollen Zustande gleich, in dem unsere Vorfahren lange, lange Jahre hindurch seit dieser Zeit ihr Leben fristeten. Im Innern wüthete die Pest, mit all dem Jammer und Elend im Gefolge, von Außen brach mordend und schlachtend die bis zum Wahnsinn fauatisirte Volksmenge in die engen düstern Gaffen, schonend nicht Weib noch Kind, nicht Jung nicht Alt — — In der Schweiz war es, wo zuerst das Mährchen auftauchte, die Juden seien die eigentlichen Erzeuger der Pest, lle hätten ein Ebendas. Da sicht man mit weicher,Genauigkeit tm Mittelalter pathologische Anato« mie getrieben wurde. Der Knecht hat sich wahrscheinlich selbst das Leben genommen. GiebL es nicht auch noch in unfern Tagen Leute, die obigen SekttonSbesund mit unterschreiben würden? 16) Tschudi l. c. p. 326. 17) S. Hecker l. c. 1») Tschudi l. c.